Androsch berät Konsortium bei TA-Kauf
Der Industrielle Hannes Androsch ist für eine Investorengruppe als Berater für einen Kauf der Telekom Austria tätig.
Androsch bestätigte am Sonntag der Austria Presse Agentur, was das Wochenmagazin "Format" in seiner morgigen Ausgabe berichtet. Er, Androsch selbst sei nicht an einer größeren Beteiligung an der Telekom Austria interessiert, könne sich aber vorstellen, mit einigen wenigen Prozent einzusteigen.
Die von Androsch beratene Investorengruppe, deren Namen Androsch nicht nennen wollte, stamme dominierend aus dem Ausland. Ein Inländer könne eine voraussichtliche Kaufsumme, die Androsch mit 140 Mrd. ATS bezifferte, nicht aufbringen.
Kein Konnex zu AT&S
Mit dem Leiterplattenhersteller AT&S, der hauptsächlich an die
Telekomindustrie liefert und wo Androsch Großaktionär und
Aufsichtsratschef ist, habe sein Engagement im Zusammenhang mit
Telekom Austria überhaupt nichts zu tun.
AT&SSyndikatsvertrag mit ÖIAG
Ein Verkauf der Telekom Austria [TA] bekam Aktualitätswert, nachdem die Telecom Italia, die 29,8 Prozent an der TA hält, unter einem neuen Management die Zahl ihrer europäischen Festnetzbeteiligungen drastisch reduzieren möchte. Ein Verkauf der italienischen Anteile an der TA wäre aufgrund eines Syndikatsvertrages mit dem TA-Mehrheitseigentümer ÖIAG nicht vor Oktober 2003 möglich.
Die jüngste Entwicklung scheint nun dahin zu gehen, dass die ÖIAG für ihren 47,8-Prozent-Anteil an TA auch verkaufswillig scheint, womit das gesamte Kernaktionärspaket der börsenotierten TA auf den Markt kommen könnte.
Offizielle Beschlüsse in diese Richtung gibt es jedoch noch nicht. Am vergangenen Freitag gab es eine Sitzung mit Vertretern der ÖIAG und der Telecom Italia mit dem TA-Vorstand, wo die weitere Vorgangsweise im Zusammenhang mit einer Neuorganisation beraten wurde.
Die Spekulationen um Kaufinteressenten für die Telekom Austria gehen bereits hoch. "Die Presse" listet die Swisscom auf, die sich von ihrem Mehrheitsanteil am alternativen Telefonbetreiber UTA ohnehin trennen wolle. Immer wieder wird auch die Deutsche Telekom genannt, die vor einer Übernahme der TA jedoch entweder ihre Handytochter max.mobil oder die TA-Tochter Mobilkom abgeben müsste [an der die Telecom Italia über ihre Mobilfunktochter TIM 25,1 Prozent hält].
Telekom AustriaKursziel 9 Euro
Auch der Bauindustrielle Hans Peter Haselsteiner soll an einem Konsortium stricken. Weiters werden einige Finanzinvestoren genannt, wie die britische CVC-Gruppe [neuer Lenzing-Eigentümer], oder Soros Private Equity, die mit einem Konsortium erst kürzlich die irische Eircom übernommen habe.
Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat im Juni bei der ÖIAG-Hauptversammlung festgestellt, dass ein Verkauf von ÖIAG-Anteilen erst in Frage käme, wenn sich der Kurs der TA-Aktie auf über 9 Euro erholt habe. Zuerst müsse bei der TA ein Turnaround eingeleitet werden.
Zu 9 Euro ist das Papier im November 2000 an die Börse gebracht worden. Am vergangenen Freitag war der Schlusskurs der Telekom Austria, nach Gewinnabgaben, auf 7,21 Euro nach unten gegangen. Mit einem Verkauf der ÖIAG-Anteile an der Telekom Austria würde die Staatsholding ihren gesamten Restschuldenstand von rund 27,5 Mrd. ATS abbauen können.
