Linux erobert Hollywood
Der Zeichentrickfilm "Shrek" wurde komplett auf Linux entwickelt und gerendert. Auch bei "Prinz von Egypten" war Linux mit dabei. Die Hersteller Dreamworks setzen voll auf das freie Betriebssystem.
Und Sie sind nicht die einzigen. Digital Domain [Spezialeffekte in Titanic, Dante's Peak], Pixar [Toy Story], Industrial Light & Magic [Star Wars Episode I, A.I.] und andere Studios im professionellen Animationsbereich entdecken die Vorzüge eines UNIX-basierten Betriebssystems.
Filmbearbeitung für Linux
So auch Silicon Grail, die ihr Filmbearbeitungsprogramm Rayz von
Grund auf für Linux entwickelt haben. Multi-point-tracking, das
Morphen und Verzerren von Bildern, Kombinieren und Resequenzieren
von Kadern und Quicktime-Unterstützung werden angeboten.
RayzDreamworks und Pixar nutzen Linux
Dreamworks unterhält 200 Linux-Desktops für Animatoren sowie 400 Linux-Server für die Produktion der Effekte. Pixar besitzt momentan nur 20 Linux-Server für Render-Aufgaben, die Stückzahl soll aber auf 100 aufgestockt werden um ihren nächsten Film, Finding Nemo [Erscheinungsdatum: Sommer 2003], komplett unter Linux zu erstellen.
An Applikationen fehlt es nicht: Maya, Shake, Houdini und die führende kommerzielle Applikation für Animation, Spezial-Effekte und Rendering, RenderMan, sind für Linux erhältlich.
Und am Beispiel von Industrial Light & Magic [ILM] kann erklärt werden, warum gerade Linux - und nicht Windows oder Macintosh - breiten Anklang findet.
Unix dominiert Animationsszene
Die Leute hinter den Effekten von Star Wars, Episode I, konnten
bisher nicht auf Linux setzen, da die meisten ihrer Applikationen
bisher nur auf dem Unix-Derivat IRIX liefen. Und dieses wurde von
SGI entwickelt, deren Hard- und Software die professionelle
Animationsszene der Achtziger und Neunziger dominierte - und noch
immer den größten Anteil stellt.
Industrial Light & MagicIBM-PCs zu schwach
Vor 10 Jahren dachte niemand daran, IBM-kompatible-PCs für diese Aufgabe zu verwenden: Für die Darstellung von hochauflösenden Grafiken und die intensiven Rechenaufgaben beim rendern einer 3D-Sequenz war die SGI-Hardware besser geeignet. Und konnte von dem Multiprozessor-fähigem UNIX auch voll ausgenutzt werden.
Doch die Prozessoren und Grafikkarten der PC-Industrie holten punkto Leistung auf. Und vor allem: Sie waren billiger als SGI-Hardware.
Auch war eine Windows-Lizenz billiger als eine IRIX-Lizenz. Bei einer Render-Farm mit Hunderten von benötigten Lizenzen rechnet sich das schnell.
Dies lief so weit, dass SGI 1998 kurzzeitig begann, auch Workstations mit Windows NT auszuliefern.
Keine Portierung auf Windows-NT
Doch die Animationsstudios waren enttäuscht. Zu viel Code wurde
schon geschrieben, zu viele ihrer Applikationen bauten auf IRIX/UNIX
auf. Das London-basierte Animationsstudio Double Negative [Mission
Impossible II, Schokolade zum Frühstück] nutzte weiterhin IRIX, ließ
den Sprung auf NT aus und beginnt nun - wie auch ILM - mit der
Portierung der Software auf das Unix-Derivat Linux.
Double NegativeRosige Zeiten
Rosige Zeiten also, für das System mit dem Pinguin. Zumindest was die Animationsbranche betrifft.
Das Angebot von Werkzeugen für non-lineares Editieren von Film und Bild ist bisher spärlich oder kaum vorhanden.
Das kann sich aber bald ändern: Zwei Produkte für diesen Bereich, Softimage 3D und Softimage XSI, sollen demnächst für Linux erscheinen.
