Tschechien weist Maut-Einspruch zurück

grünes licht
27.01.2006

Der Wiener Telekom-Ausrüster Kapsch hat den Auftrag für die Errichtung eines elektronischen Lkw-Mautsystems in Tschechien nun fix. Das Auftragsvolumen beträgt laut Kapsch 650 Mio. Euro.

Der Wiener Telekom-Ausrüster Kapsch TrafficCom hat für den bereits im Herbst 2005 erteilten Großauftrag des tschechischen Verkehrsministeriums für die Errichtung eines elektronischen Lkw-Mautsystems nun auch von der tschechischen Wettbewerbsbehörde UOHS grünes Licht erhalten.

Die Wettbewerbshüter haben Einsprüche zweier Konkurrenten gegen die Auftragserteilung an Kapsch zurückgewiesen, teilte das Verkehrsministerium in Prag am Freitag offiziell mit.

Nach Angaben von Kapsch beläuft sich der Auftragswert auf 650 Mio. Euro. Tschechische Zeitungen bezifferten das Auftragsvolumen mit 22 Mrd. Kronen [775 Mio. Euro].

Neuerliche Berufung angekündigt

Die Konkurrenz [Autostrade, Mytia] hat jedoch bereits angekündigt, abermals Berufung gegen die Entscheidung einzulegen. Ihre Offerte waren vom Verkehrsministerium wegen formaler Mängel abgelehnt worden.

Bis zu 500 Mio. Euro Mehreinnahmen/Jahr

Die elektronische Lkw-Maut soll ab 1. Jänner 2007 auf 970 Kilometer Autobahnen und Schnellstraßen eingeführt werden.

Später soll das Mautstrecken-Netz auf insgesamt 2.100 Kilometer ausgebaut werden

Von der Maut sollen zunächst Lkw über 12 Tonnen betroffen sein. Das tschechische Verkehrsministerium erwartet sich daraus Einnahmen in Höhe von 10 bis 14 Mrd. Kronen [352 bis 493 Mio. Euro] jährlich.

Kapsch tritt bei dem Projekt erstmals nicht nur als Technologielieferant und -errichter auf, sondern auch als Betreiber. Die Abwicklung soll über die vor kurzem neu gegründete Tochter Kapsch Telematic Services GmbH erfolgen.

Dafür haben sich die Wiener neue Partner an Bord geholt: Autoroutes Paris Rhine Rhone [APRR] und den portugiesischen Autobahnbetreiber Brisa.

Mikrowellentechnik

Die eingesetzte Mikrowellentechnik ist mit der in Österreich angewandten Technologie vergleichbar.

Mikrowellen-Mautsysteme gelten als erprobt, für eine flächendeckende Maut eignet sich das deutsche Satellitensystem aber besser.

In Österreich hatte die staatliche Autobahnfinanzierungsgesellschaft Asfinag kürzlich den heimischen Mautbetreiber Europpass übernommen, um damit Geschäfte in Osteuropa an Land zu ziehen. Der Deal wurde von der Opposition heftig kritisiert.

(futurezone | APA)