Dünndarm-Roboter wird getestet
Das Berliner Universitätsklinikum Charite hat in einer Studie eine Pille mit eingebauter Minikamera, die dreidimensionale Bilder aus dem Magendarmtrakt liefert, getestet.
Patienten schlucken dabei eine elf mal 26 Millimeter kleine Kapsel, die eine Kamera und eine Batterie enthält, wie die FuZo im August berichtete. Sie wurde in Israel und den USA entwickelt.
Erste Studie
Unter Leitung von Prof. Herbert Lochs begann nun nach Angaben der
Charite die weltweit erste Studie mit der Kapsel zur Untersuchung
des Dünndarms von Patienten mit Verdacht auf Morbus Crohn. Das ist
eine häufige, chronisch-entzündliche Erkrankung mit
Schleimhautgeschwüren, Blutungen und Schmerzen. Sie manifestiert
sich oft im Dünndarm, der besonders schwer mit anderen Verfahren zu
untersuchen ist.
Pille schickt Bilder aus dem DünndarmDer Patient schluckt die Kapsel zusammen mit einem Schluck Wasser. Sie bewegt sich durch den Verdauungstrakt durch das natürliche Zusammenziehen und Entspannen des Gastrointestinaltrakts, auch Peristaltik genannt. Die Kapsel wird auf natürlichem Wege ausgeschieden.
Während der Reise durch den Darm macht die Kamera alle zwei Sekunden eine Aufnahme, die an ein um den Bauch geschnalltes Empfangsgerät gesendet wird. Am Computer werden die Bilder zu einem dreidimensionalen Bild der Dünndarm-Innenwand zusammengesetzt. Mit der Kapsel würden die Dünndarmuntersuchung und die Diagnose von Darmerkrankungen deutlich verbessert, erklärte die Charite.
Mit herkömmlichen, non-invasiven Untersuchungsmethoden kann nur das erste Drittel des Dünndarms eingesehen werden.
Bilder aus dem DünndarmDie Miniaturisierung der Kapsel wurde durch die Entwicklung von CMOS [Complementary Metal Oxide Semiconductor]-Videochips ermöglicht, die wesentlich weniger Energie verbrauchen als herkömmliche CCD [Charge-Coupled Device]-Chips.
