Hochkonjunktur für Videokonferenzen
Bei den Anbietern von Videokonferenzlösungen herrscht seit den Anschlägen vom 11. September Hochkonjunktur:
"Viele Geschäftsleute wollen oder können derzeit nicht fliegen und suchen nach sicheren Alternativen, ihre Besprechungen und Termine zu organisieren", sagt Andreas Wienold, Europachef des Videokonferenzanbieters VCON, stellvertretend für die gesamte Branche.
"Wir verzeichnen eine enorm gestiegene Nachfrage nach Videokonferenzsystemen, und unsere Webpage registriert derzeit drei Mal so hohe Besucherzahlen wie vor dem Anschlag."
VCONBranche in Warteposition
Die Anbieter von Videokonferenzanlagen warten seit vielen Jahren auf den Durchbruch. Nur eine vergleichsweise kleine Zahl von Großunternehmen gehört zu regelmäßigen Nutzern von Video-Fernkonferenzen.
In vielen anderen Unternehmen gilt noch der Grundsatz, dass ein Händedruck nicht durch ein Fax oder ein Videobild ersetzt werden kann. Außerdem halten die Skeptiker Videokonferenzen für zu teuer oder technisch nicht ausgereift.
Auch die Börse sah bisher keine große Zukunft für die Technologie. So dümpelte der Kurs des nach eigenen Angaben weltweit führenden Anbieters Polycom an der Wall Street vor sich hin. Auch die Übernahme des Konkurrenten PictureTel, des größten Anbieters von PC-basierten Konferenzsystemen, half dem Polycom-Papier nicht. Doch nach dem Desaster von New York und Washington schnellte der Kurs der Aktie innerhalb einer Woche um 37 Prozent in die Höhe. Auch die Aktien der Videokonferenzanbieter WebEx und Ptek Holdings [Premiere Conferencing] waren nach dem Anschlag stärker gefragt.
PolycomVon der Nachfrage überrumpelt
Die rasch gestiegene Nachfrage nach den Systemen kann von den Anbietern zum Teil gar nicht sofort befriedigt werden - zumindest nicht so schnell, wie sich die Neukunden das vorstellen.
"Viele europäische Unternehmen wollen, das wir ihnen binnen zwei Tagen mehrere Niederlassungen ausstatten", sagt Andreas Göttlicher, Vertriebsleiter für Zentral- und Osteuropa bei VCON.
Die Kölner MVC Teleconferencing GmbH, nach eigenen Angaben größter Anbieter von Videokonferenzstudios und -dienstleistungen, will hier in die Bresche springen: "Um die Kommunikationslücke bis zur Installation zu schließen, verweisen wir auf unsere 1.500 Videokonferenzstudios, die wir weltweit vermieten", sagt Firmenchef Jörg Hoffmann.
