Großrazzia gegen Filmpiraten
Im Zuge der "Operation Boxenstopp" wurden Hausdurchsuchungen in fünf Ländern durchgeführt, auch in Wien wurde ein Zentralserver sichergestellt. In Deutschland sind die Piratenjäger dabei selbst ins Visier geraten.
Die Antipiraterie-Vereine der Filmwirtschaft haben am Dienstag Hausdurchsuchungen in fünf Ländern durchgeführt.
Bei der Großrazzia gegen Filmpiraten in Deutschland, Österreich, Holland, Polen und Tschechien wurde auch hier zu Lande ein Server beschlagnahmt.
Doch im Zuge der Ermittlungen sind auch die Piratenjäger selbst ins Visier geraten. Es besteht der Verdacht, dass die deutsche Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen [GVU] aktiv am Betrieb eines Piraterie-Servers beteiligt war.
Fahnder schlugen auch bei GVU zu
Die GVU, eigentlich gegründet um der Piraterie Einhalt zu gebieten, bestätigte zwar, dass ihre Räumlichkeiten ebenfalls durchsucht wurden. Eine offizielle Begründung steht jedoch aus. Gerüchteweise heißt es, dass ein Zentralserver namens "Island of Hope" mit Unterstützung der GVU-Mitarbeiter betrieben wurde.
Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten der GVU oder ihrer Verantwortlichen zu finden sei nicht Gegenstand der Durchsuchung gewesen, sagte der Sprecher der Ellwanger Staatsanwaltschaft, Oliver Knopp, am Mittwoch. Die GVU sei nicht als Beschuldigte, sondern in der Rolle des Zeugen durchsucht worden. Die Daten würden für einen Abgleich mit anderem sichergestelltem Material benötigt.
"Klapsmühle" vom Netz
Im Rahmen der "Operation Boxenstopp" wurden mehr als 300 Wohn- und Geschäftsräume in den fünf Ländern durchsucht.
In einem Großrechenzentrum in Wien wurde dabei laut dem Verein für Antipiraterie der Filmwirtschaft Österreichs [VAP] der "wahrscheinlich größte deutschsprachige" Film-Server "Klapsmühle" [vormals "Paradise Beach"] sichergestellt.
Auf zwei mit Glasfaserkabel verbundenen Rechnern mit insgesamt 28 Festplatten dürften rund vier Terabyte urheberrechtlich geschützte Daten gespeichert sein, berichtete der Verein. Gegen den Betreiber des Servers wurden in Deutschland und Österreich Strafverfahren eingeleitet.
30 Hauptverdächtige
In Deutschland wurden 20 zentrale Server beschlagnahmt. Auch zahlreiche Verteilungsserver ["Payboxes"] wurden sichergestellt.
Insgesamt werden rund 30 Hauptverdächtige beschuldigt, in großem Umfang Raubkopien von Spielfilmen, Computerspielen, Software und Musik hergestellt und massenhaft gegen Entgelt über das Internet vertrieben zu haben.
(futurezone | APA | dpa)
