30.09.2001

ON THE ROAD

Bildquelle: red, white and blue

Mit dem Laptop quer durch Amerika

Seit Anfang August befindet sich der Grazer Autor und Medienkünstler Bernhard Wolf auf einer dreimonatigen Rundreise quer durch die USA. Seine Eindrücke und Erlebnisse auf dieser Reise veröffentlicht er laufend auf einer eigens eingerichteten Website.

Wolf sieht sich dabei als "paralleler Korrespondent", der versucht, mittels eines "sehr subjektiven Streifzuges mehr über das Lebensgefühl in den USA zu vermitteln und Nachrichten zu erzeugen, die ich selbst gerne lesen würde".

"Parallelinfo: USA"

Interessierte können Bernhard Wolfs Nachrichten über den amerikanischen Alltag, kulturelle Ereignisse und gesellschaftliche Entwicklungen entweder online lesen oder sich die neuesten Berichte jeweils aktuell über eine Mailinglist zuschicken lassen.

Im nachfolgenden E-Mail-Interview nimmt Bernhard Wolf zu seinem Projekt "Parallelinfo: USA" Stellung und erläutert, wie seine Berichte aus Amerika zustandekommen und wie das Publizieren online arbeitstechnisch abläuft.

FuZo: Wie kamst Du auf die Idee zur "Parallelinfo" und wie würdest Du das Projekt in kurzen Worten beschreiben?

Bernhard Wolf:

Die Idee ist letztes Jahr mit "Paralleinfo: Russland" entstanden, einer dreimonatigen Reise durch Russland. "Paralleinfo" ist mein persönlicher Konsumententest, inwieweit autonome und rasche Berichterstattung machbar ist. Zum einen, um zu sehen, wie tauglich das Internet dafür wirklich ist und zum anderen, wie man parallele Nachrichten erzeugen kann, die unterschiedliche Qualitäten von Information berücksichtigen.

Der Grund, als zweites Projekt die USA zu wählen, war weniger der klassische Kalte-Krieg- Antagonismus zwischen Ost und West, sondern der Umstand, dass die USA ähnlich wie Russland in der europäischen Rezeption mit Klischees überfrachtet sind, die ich umschiffen oder auf ihren tatsächlichen Gehalt abklopfen möchte.

FuZo: Wie sehr ist Deine Reise/sind Deine Beiträge im Voraus geplant? Oder reagierst Du flexibel auf Eindrücke und Anregungen vor Ort?

Bernhard Wolf:

Ich reagiere flexibel, die Reiseroute ist nur ungefähr vorgeplant. Im Prinzip lasse ich mich durch das Land treiben. Ich bin auf ständige Kontaktaufnahme mit den verschiedensten Leuten angewiesen. In den USA habe ich z.B. vorher niemand der Interviewten gekannt. Den äusseren Rahmen bildet in beiden Projekten der Kontakt zu Strassenzeitungen. Ich arbeite eng mit dem MEGAPHON, der Grazer Strassenzeitung zusammen.

Der Einstieg in eine Landeskultur über Strassenzeitungen hat sich als gute Taktik erwiesen, weil Strassenzeitungen meistens über viele Kontakte in alternativen Informationsnetzwerken verfügen und per se einen differenzierten Blick vom Rand der Gesellschaft anbieten.

FuZo: Wie bist Du technisch ausgerüstet? Wie läuft das Publizieren Deiner Berichte online ab?

Bernhard Wolf:

Ausgerüstet bin ich mit Laptop und Digitalkamera. Ich steige über öffentliche Rechner und die Webmail bei mur.at ins Internet ein. Ich schicke die Berichte an meinen Webbetreuer Reini "Linux" Urban, der stellt sie auf die Webseite und verschickt sie über die Mailingliste an die Abonnenten.

Diverse Strassenzeitungen wie das MEGAPHON Graz, NA DNE St.Petersburg oder Streetwise, Chicago, und Streetlight, San Diego, drucken jeweils die Berichte, die sie von der Webseite verwenden wollen.

FuZo: Die unvermeidliche Frage nach den Terroranschlägen - Du warst ja zufällig im Lande als es passierte. Wie sehr haben diese Ereignisse Einfluss auf Deine Pläne, Deine Arbeitsweise und das Gesamtprojekt genommen?

Bernhard Wolf:

Es hat meine Reise gleichzeitig interessanter gemacht und erschwert. Auf der einen Seite sind viele Charakterzüge der US-amerikanischen Psyche und Alltagskultur in voller Blüte zu beobachten, auf der anderen Seite sah ich mich gezwungen quasi "Kriegsberichterstattung" zu machen.

Eigentlich konzentriere ich mich lieber auf Perlen im Alltag und Seitenwege im Informationsgetümmel.