29.09.2001

ERROR-TERROR

Bildquelle: cctv

Überwachungstechnik als Papiertiger

Der politische Wille zur Errichtung eines Orwellschen Überwachungssystems ist zurzeit vorhanden, allein es mangelt an der technischen Realisierbarkeit.

Vor allem in den USA wittern nach den Terroranschlägen Hersteller von biometrischen Überwachungssystemen die Chance auf ein großes Geschäft. Neben Kritikern, die vor einer Gefährdung von Bürgerrechten warnen, melden sich nun auch immer mehr Technik-Sachverständige zu Wort, die auf die technische Unausgereiftheit der jetzt propagierten Überwachungssysteme hinweisen.

Die Experten verweisen in diesem Zusammenhang vor allem auf den "Facial Recognition Vendor Test", den das amerikanische Verteidigungsministerium im Vorjahr gemeinsam mit anderen US-Regierungsstellen vorgenommen hat.

"Geheime Botschaften" in Porno-Pix

In online publizierten Bildern sind keine geheimen Nachrichten versteckt. Das fanden die Wissenschaftler Niels Provost und Peter Honeyman von der University of Michigan heraus. Die Forscher widersprechen damit Berichten, wonach verborgene Nachrichten von Terroristen in online gezeigten und dem Vernehmen nach oftmals pornographischen Bildern versteckt seien.

Von den zwei Millionen untersuchten Bildern schienen 17.000 verschlüsselte Nachrichten zu beinhalten. Um einen Beweis zu erbringen, ließen Provost und Honeymann eine so genannte Lexikon-Attacke über die Bilder laufen, die die zum Decodieren eingesetzten Schlüsselwörter enttarnen sollte.

Heftige Debatte in den USA

In den USA wird zurzeit eine heftige Debatte um Verschlüsselungstechnologie geführt. Der republikanische Senator Judd Gregg fordert, dass in alle Verschlüsslungssysteme verpflichtend eine Hintertür eingebaut wird.

Die Schlüssel dazu sollten nach seinen Vorstellungen bei einer richterlichen Behörde hinterlegt werden. Dem widersprechen unter anderem der Erfinder des Programms "Pretty Good Privacy", Phil Zimmermann, und die Electronic Frontier Foundation. Sie argumentieren, dass diese Maßnahmen eine Einschränkung der US-Bürgerrechte mit sich bringen.