Überwachungstechnik als Papiertiger
Der politische Wille zur Errichtung eines Orwellschen Überwachungssystems ist zurzeit vorhanden, allein es mangelt an der technischen Realisierbarkeit.
Vor allem in den USA wittern nach den Terroranschlägen Hersteller von biometrischen Überwachungssystemen die Chance auf ein großes Geschäft. Neben Kritikern, die vor einer Gefährdung von Bürgerrechten warnen, melden sich nun auch immer mehr Technik-Sachverständige zu Wort, die auf die technische Unausgereiftheit der jetzt propagierten Überwachungssysteme hinweisen.
Die Experten verweisen in diesem Zusammenhang vor allem auf den "Facial Recognition Vendor Test", den das amerikanische Verteidigungsministerium im Vorjahr gemeinsam mit anderen US-Regierungsstellen vorgenommen hat.
Extrem hohe Fehlerquote
Dabei wurde unter anderem erhoben, dass Gesichtserkennungssysteme
nur in Sicherheitsbereichen mit beschränktem Zugang eine halbwegs
vertretbare Fehlerquote [ein falscher Alarm pro 250 überprüften
Personen] aufweisen. An öffentlichen und vielfrequentierten Orten
kommt es hingegen zu einem extrem hohen Prozentsatz an
Fehlermeldungen. Auf einem Flughafen müsste etwa bei jedem dritten
Passagier und Passanten [Fehl-]Alarm ausgelöst werden, um 90 Prozent
der gesuchten Personen zu finden.
Facial Recognition Vendor Test 2000"Geheime Botschaften" in Porno-Pix
In online publizierten Bildern sind keine geheimen Nachrichten versteckt. Das fanden die Wissenschaftler Niels Provost und Peter Honeyman von der University of Michigan heraus. Die Forscher widersprechen damit Berichten, wonach verborgene Nachrichten von Terroristen in online gezeigten und dem Vernehmen nach oftmals pornographischen Bildern versteckt seien.
Von den zwei Millionen untersuchten Bildern schienen 17.000 verschlüsselte Nachrichten zu beinhalten. Um einen Beweis zu erbringen, ließen Provost und Honeymann eine so genannte Lexikon-Attacke über die Bilder laufen, die die zum Decodieren eingesetzten Schlüsselwörter enttarnen sollte.
Zwei Millionen Bilder analysiert
Da diese Lexikon-Attacken mit 25-prozentiger Sicherheit
Veränderungen nachweisen können, hätten sich nach Meinung der
Wissenschaftler zumindest einige verborgene Bilder zeigen sollen.
Dies geschah jedoch nicht. Die Wissenschaftler benutzten eine
Software namens Crawl, die die Bilder beim Download untersuchte und
auf diese Weise mehr als zwei Millionen Bilder zwischen 20 KB und
400 KB analysierte. Die Forscher vernetzten rund 60 Computer, um mit
Hilfe der drei bekanntesten Encoder - Jsteg, JPHide und OutGuess -
Beweise für verborgene Inhalte zu finden.
Bin Laden benutzt kein TelefonHeftige Debatte in den USA
In den USA wird zurzeit eine heftige Debatte um Verschlüsselungstechnologie geführt. Der republikanische Senator Judd Gregg fordert, dass in alle Verschlüsslungssysteme verpflichtend eine Hintertür eingebaut wird.
Die Schlüssel dazu sollten nach seinen Vorstellungen bei einer richterlichen Behörde hinterlegt werden. Dem widersprechen unter anderem der Erfinder des Programms "Pretty Good Privacy", Phil Zimmermann, und die Electronic Frontier Foundation. Sie argumentieren, dass diese Maßnahmen eine Einschränkung der US-Bürgerrechte mit sich bringen.
Bereits 1999 verglich Phil Zimmermann in einem Gesrpäch mit der FutureZone die Situation des Individuums angesichts der umfassenden Vernetzung in Kombination mit neuen Identifikationsverfahren mit der eines Froschs in einem Topf mit Wasser, der nicht bemerkt, dass es langsam immer heißer wird. "Eines Tages werden wir aufwachen und müssen festellen", so Zimmermann, "dass unsere Privatsphäre einfach verschwunden ist."
"Biometrie, totale Kontrolle, totalitäre Demokratie"
