"Nigeria-Connection" wird russisch

spam
17.01.2006

Nach den Mails aus Nigeria versuchen Betrüger mit dem russischen Unternehmer Michail Chodorkowski Geld ins Ausland zu schaffen.

An die Spam-Mails der "Nigeria-Connection" hat man sich bereits gewöhnt - auf den Spuren der "419er-Briefe" [benannt nach dem nigerianischen Strafrechtsparagrafen, der diese Form des Internet-Betrugs behandelt] überschwemmt jetzt eine Flut von vermeintlichen Bittstellern aus dem Umkreis des inhaftierten russischen Unternehmers Michail Chodorkowski die Mailboxen in Europa und den USA.

Da gibt sich etwa eine "Leila Khodorkovsky" als Frau des Kreml-Kritikers aus - obwohl diese Inna heißt. Sie spricht den Empfänger der E-Mail mit "Dear friend" an und behauptet dann, den Namen des Adressaten im Tagebuch ihres Mannes gefunden zu haben.

Der Schreiber bittet um Hilfe bei der Anlage von 45 Millionen Dollar [37 Mio. Euro] aus dem Vermögen Chodorkowskis und verspricht dafür eine Belohnung.

Mindestens zehn Österreicher wurden mit 419er-Mails bereits um insgesamt drei Mio. Euro betrogen.

Dieselbe Masche

"Das ist ein genau geplantes Geschäft", sagt der Moskauer Spam-Experte Jewgeni Altowski. "Sie suchen sich etwas Aktuelles aus." Der Trick bestehe darin, sich an eine reiche Person dranzuhängen, die in Schwierigkeiten sei, erklärt Altowski.

Das Bundeskriminalamt [BK] in Wien wundert die russische Variante des Briefs nicht. "Wann immer irgendwo etwas geschieht, kann man sich sicher sein, dass zwei Tage später die so genannten 419er-Briefe inhaltlich darauf Bezug nehmen", sagt Gerald Hesztera, Sprecher des BK.

Dabei spiele es keine Rolle, in welchem Land das Ereignis spiele - in den meisten Fällen befinden sich die Tätergruppen in Westafrika.

Chodorkowski in Haft

Chodorkowski wurde im vergangenen Jahr wegen Steuerbetrugs zu acht Jahren Haft verurteilt und befindet sich derzeit in einer sibirischen Strafkolonie an der Grenze zu China. Vor der Verhaftung im Jahr 2003 wurde sein Vermögen auf zwölf Milliarden Euro geschätzt.

(futurezone | APA)