VoIP soll US-Notrufsystem verbessern

nach "katrina"
16.01.2006

Weil Notrufsysteme im Katastrophenfall leicht überlastet werden, suchen die USA nach Verbesserungsmöglichkeiten: Voice over IP soll dabei helfen.

Das amerikanische Notrufstystem arbeitet längst nicht so stabil, wie es sollte. Vergangene Katastrophen im letzten Jahr haben die Grenzen der Notfall-Kommunikationssysteme in den USA aufgezeigt. Einen Ausweg aus der Krise soll nun Voice over IP [VoIP] schaffen. Doch auch diese Weiterentwicklung verzögert sich aus Mangel an Geld.

Nicht für Ernstfall gerüstet

Die US-Notrufzentralen sind für den Ernstfall nicht ausreichend gerüstet, behaupten Experten der Nonprofit-Organisation National Emergency Number Association [NENA].

Besonders offensichtlich wurde das Problem im Sommer 2005, als nach dem Hurrikan "Katrina" 30 Notrufstationen in Mississippi für mehrere Tage lahm gelegt waren. Sämtliche Fest- und Mobilfunknetze waren überlastet und die Notrufnummer 911 nicht mehr erreichbar.

VoIP soll helfen

In Zukunft soll dieses Horrorszenario mit Voice over IP umgangen werden. Während herkömmliche Kommunikationswege in Krisengebieten oft versagen, könnte das Telefonieren via Internet zuverlässiger funktionieren. Ein flexibles, dynamisches Netz kann mögliche Engpässe besser umschiffen.

Als Standardvoraussetzung dafür schreibt die US-Regulierungsbehörde FCC allerdings einen "erweiterten" Notruf vor. Über die "enhanced 911" [E911] können die angerufenen Einsatzkräfte den Standort des Anrufers ausmachen, ohne ihn danach fragen zu müssen. Das erfordert aber die Zusammenarbeit aller beteiligten Stellen.

Streit um Kompetenz und Geld

Momentan scheitert es aber an der praktischen Umsetzung von E911 bei der Internet-Telefonie. Die zuständigen örtlichen Behörden ringen mit dem US-Kongress noch um die Kompetenz für solche Fälle. Letzterer hat sogar ein eigenes Büro für die Koordinierung von Notfallmaßnahmen eingerichtet.

Außerdem seien die budgetierten Mittel von 250 Millionen US-Dollar für fünf Jahre viel zu wenig. Die NENA schätzt nämlich, dass die Erneuerung des gesamten Notrufsystems rund drei bis sechs Milliarden US-Dollar kosten wird. Doch bisher sei kein einziger Dollar dafür geflossen.

Telefonieren über WLAN wird bald auch über das Handy möglich sein. Vonage, einer der größten VoIP-Anbieter der USA, produziert bereits die ersten Mobiltelefone mit dem entsprechenden Service.