Foma Phones aus Japan
WAP ist im Prinzip eine Technologie, die immer noch nach erfolgreichen Applikationen sucht, während i-Mode ein Business-Modell ist, das existierende Technologien nützt, so Andrea Hoffmann. Die in Tokio lebende Unternehmensberaterin bringt europäischen Firmen die Vorteile von i-Mode näher.
Europa hat mit WAP zwar einen neuen technologischen Standard entwickelt. Doch der japanische Mobilkunkkonzern NTT DoCoMo hat mit i-Mode den weltweit einzig erfolgreichen Markt für mobiles Internet geschaffen.
Andrea Hoffmann im Interview
"Es wurde immer gesagt, das ist i-Mode, das ist auf deinem Phone, da kannst du dein Bankkonto checken, dein Fortune-Cookie lesen und so weiter. Es wurde nicht gesagt, das ist mobiles Internet oder UMTS, solche Begriffe wurden erst gar nicht verwendet, weil sich das Service an den Kunden wendet, den die Technologie erst gar nicht interessiert."
Andrea Hoffmann ist Gründerin der Website "mobilemediajapan.com". In englischer Sprache werden dort täglich News und technische Informationen über das mobile Internet publiziert.
mobilemediajapan.comLocation Based Services
Seit Juni diesen Jahres bietet i-Mode sogenannte "location based services" an. Nur DoCoMo, also der Netzbetreiber, kann den Kunden orten und ortsbezogene Informationen weiterleiten. An die Contentprovider werden die Koordinaten der User nicht weitergegeben.
Die Bedrohung der Privatsphäre durch die neuen "location based services" wird nicht öffentlich diskutiert, berichtet Hoffmann. Und auch die Tatsache, dass die Polizei das Handy längst als Bewegungsmelder zur Verbrecherjagd nützt, ist den Japanern kein Problem.
Auf mobilemediajapan.com sorgen die neuen "location based services" in der "mobile community" aber doch für Gesprächsstoff. So schreibt einer der Diskutanten, dass die Phrase "Killer Application" wohl eine ganz neue Bedeutung bekommt, wenn seine Frau in real-time jederzeit herausfinden kann wo er sich gerade herumtreibt.
Handy zur Überwachung?
"Es gibt auch die Überlegung, dass Gefangene so eine Art Freigang bekommen, wenn sie so ein Handy mit sich dabei haben. Und es gibt ja in Japan auch ein großes Problem mit sogenannten Stalkern, die Leuten immer wieder auflauern und nerven. Da gibt es die Überlegungen, wenn es ein Gerichtsurteil gegen jemanden gibt, der einem andern immer zu nahe kommt, dass dann auch so ein Gerät eingesetzt wird, damit man kontrollieren kann, wo sich der aufhält. Aber da wird es dann schwierig, weil ja doch die Privatsphäre des anderen sehr stark angegriffen wird. Das sind so Grenzbereiche, wo darüber nachgedacht wird, wie man das einsetzen kann."
Vom UMTS-Testbetrieb zum Verkauf
FOMA Phones - so nennt DoCoMo die nächste Handygeneration, die ab erstem Oktober in den Shops erhältlich sein soll.
Bereits im Mai wurden 4000 Handsets an Businessleute im Raum Tokio verteilt. Der UMTS-Testbetrieb mit dem Foma-Phone bot bereits Videostreaming und Bildtelefonie, bei einer limitierten Downloadgeschwindigkeit von 64 Kilobit pro Sekunde.
Andrea Hoffmann: "Wenn auch noch relativ langsam, aber es funktioniert bereits. Bei der Videophonefunktion sieht man schon wirklich fließende Bilder. Man kann die andere Person wirklich sehen und das macht auch einen sehr guten Eindruck. Es ist ein ganz anderes Gefühl, als wenn man jemanden nur so hört. Wenn dieses Videophone-Feature auf allen Phones einfach standardmäßig angeboten wird, dann wird das auch sehr, sehr stark genutzt werden."
Ö1-Magazin matrix berichtete
