Bin Laden benutzt kein Telefon
Internationale Polizeibehörden und Geheimdienste haben zuletzt kaum noch eine konkrete Spur von Osama bin Laden aufnehmen können.
Seit ein Gespräch des mutmaßlichen Terroristenführers mit einem Satellitentelefon von US-Agenten abgefangen wurde, hat sich dieser geschworen, nie wieder zu telefonieren - so berichtet es der ehemalige Leiter des Geheimdienstes der US-Luftwaffe [Air Intelligence Agency], Marc Enger.
"Andere Leute sprechen für Bin Laden"
"Unglücklicherweise sprechen jetzt andere Leute für ihn", sagt
Enger. "In einer unverfänglichen Unterhaltung kann man das nicht
mehr heraushören." So soll Bin Laden jetzt auf persönliche Boten
vertrauen, um Anweisungen zu geben.
Hilflos gegen Low-Tech-TerrorNo Tech statt Low-Tech
"Das ist noch nicht einmal Low-Tech", sagt der ehemalige Kommunikationsspezialist beim Geheimdienst NSA, Wayne Madsen. "Das muss man wohl als 'No Tech' bezeichnen."
Die vermutlich an den Flugzeugentführungen vom 11. September beteiligten Terroristen hatten nach Erkenntnissen der Ermittler nicht so große Berührungsängste gegenüber elektronischen Kommunikationsmitteln.
Die Fahnder haben Kontakt mit Providern wie America Online [AOL] aufgenommen, um nach Netzkommunikation von Verdächtigen zu forschen. In Deutschland zeigte sich der E-Mail-Anbieter GMX bereit, die Behörden mit Informationen zu versorgen, gebe es einen begründeten Anfangsverdacht.
Verschlüsselung von E-Mails
Die CIA warnte im vergangenen Jahr davor, dass terroristische
Organisationen besonders gesicherte Internet-Verbindungen nutzen
könnten. Mehrere Gruppen, darunter auch al-Qa'ida von Bin Laden,
nutzten die Verschlüsselung von E-Mails, sagte damals CIA-Direktor
George Tenet im Senat.
Kryptographie und SteganographieTechnik der Steganographie
Nach Ansicht Madsens könnten sich die Entführer der vier Passagierflugzeuge über unverfänglich klingende Botschaften auf bestimmten Webseiten verständigt haben - unbemerkt von den technisch ausgefeiltesten Überwachungsmechanismen der Geheimdienste.
Einige Geheimdienstagenten sollen Enger zufolge berichtet haben, dass Bin Laden die Technik der Steganographie einsetzt - dabei werden geheime Informationen so in Bilddateien eingefügt, dass sie nicht bemerkt werden können.
Solange man nicht das Originalfoto in der Hand habe, könne man nicht erkennen, ob es sich bei einem Bild um den Träger einer steganographischen Botschaft handle, erklärt Enger.
Trommeln als Kommunikationsmittel
Der ehemalige NSA-Techniker Madsen erinnert sich, dass es die USA
schon einmal mit einem Gegner zu tun hatten, der ganz spezielle
Kommunikationsmittel einsetzte: Der somalische Milizenführer
Mohammed Farah Aideed nutzte Trommeln, um seine Botschaften zu
übermitteln. "So etwas können Spionagesatelliten nicht auffangen",
erklärt Madsen.
Website der Taliban gecrackt
