19.09.2001

DEBATTE

Bildquelle: ap

Terrorfahndung und Online-Pranger

Die gehackte Mailingliste der militant-islamistischen Site "Qoquaz" ist einerseits zu einer Grundlage für die Fahndung nach Verdächtigen im deutschsprachigen Raum geworden.

Andererseits hat die Veröffentlichung der Liste eine heftige Debatte ausgelöst, die seit gestern noch durch Nennung von "Real Life Names", die zu den Mail-Adressen gehören sollen, an Schärfe gewonnen hat.

Die Liste, die angeblich 532 Mail-Adressen von Beziehern der "Qoquaz"-Mailingliste enthält, wurde am Wochenende veröffentlicht.

Ermittlungen des BKA

Das deutsche Bundeskriminalamt will bei seinen Ermittlungen zu den Terroranschlägen in den USA nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" auch Kundendaten von E-Mail-Anbietern überprüfen und hat dabei offensichtlich insbesondere die Mail-Adressen der "Qoquaz"-Liste im Visier.

Der Online-Pranger

Auf der Schweizer Site "Symlink", wo die E-Mail-Adressen der "Qoquaz"-Liste veröffentlicht wurden, findet unterdessen eine hitzige Debatte um Sinn oder Unsinn der Veröffentlichung statt, die seit der zeitweisen Nennung von von "Real Life Names", die zu den Mail-Adressen gehören sollen, noch schärfer geführt wird.

Eine Reihe von Meldungen verlangt "die Bestrafung" aller Mitglieder der Mailingliste [sinngemäß: "Selbst schuld, wer bei sowas dabei ist"], während eine TV-Journalistin heißes Material wittert und um Kontaktaufnahme bittet.

Informationsfreiheit

Praktisch fungiert die Liste derzeit als Online-Pranger, und jeder, der sich in ihr wieder findet, dürfte zumindest berechtigte Angst vor unüberlegten Reaktionen bekommen.

Trotzdem ist die Diskussion derzeit ausgewogen; zahlreiche Meinungen besagen, dass ein einziger Fahndungserfolg durch die Veröffentlichung die Verletzung der Datensphäre Unschuldiger rechtfertigt.