Terrorfahndung und Online-Pranger
Die gehackte Mailingliste der militant-islamistischen Site "Qoquaz" ist einerseits zu einer Grundlage für die Fahndung nach Verdächtigen im deutschsprachigen Raum geworden.
Andererseits hat die Veröffentlichung der Liste eine heftige Debatte ausgelöst, die seit gestern noch durch Nennung von "Real Life Names", die zu den Mail-Adressen gehören sollen, an Schärfe gewonnen hat.
Die Liste, die angeblich 532 Mail-Adressen von Beziehern der "Qoquaz"-Mailingliste enthält, wurde am Wochenende veröffentlicht.
Zu den ersten Abonnenten des Newsletters zählt angeblich der Hamburger Student Said Bahaji. Der zurzeit vermutlich flüchtige 26-Jährige gilt Fahndern als "Top-Logistiker" der Terroristengruppe, der die Anschläge in New York und Washington angelastet werden.
Qoquaz: "Heiliger Krieg" auch im InternetErmittlungen des BKA
Das deutsche Bundeskriminalamt will bei seinen Ermittlungen zu den Terroranschlägen in den USA nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" auch Kundendaten von E-Mail-Anbietern überprüfen und hat dabei offensichtlich insbesondere die Mail-Adressen der "Qoquaz"-Liste im Visier.
Die Zeitung zitiert eine Firmensprecherin von GMX mit den Worten, man habe bereits einige Daten an das BKA weitergeleitet. Für einen Einblick in elektronische Postfächer fehle aber noch ein Gerichtsentscheid.
Hacker als HilfspolizistenDer Online-Pranger
Auf der Schweizer Site "Symlink", wo die E-Mail-Adressen der "Qoquaz"-Liste veröffentlicht wurden, findet unterdessen eine hitzige Debatte um Sinn oder Unsinn der Veröffentlichung statt, die seit der zeitweisen Nennung von von "Real Life Names", die zu den Mail-Adressen gehören sollen, noch schärfer geführt wird.
Eine Reihe von Meldungen verlangt "die Bestrafung" aller Mitglieder der Mailingliste [sinngemäß: "Selbst schuld, wer bei sowas dabei ist"], während eine TV-Journalistin heißes Material wittert und um Kontaktaufnahme bittet.
Jagd auf Listmembers
Unterdessen berichten Besitzer von E-Mail-Adressen, die sich auf
der Liste befinden, von Drohungen aller Art und fühlen sich
offensichtlich dazu gedrängt zu beteuern, dass sie Katholiken seien
und mit dem Terror nichts zu tun haben. Tatsächlich dürften viele
Adressen zufällig auf die Liste gelangt sein oder sie aus
beruflichem Interesse abonniert haben - wobei natürlich völlig
unklar ist, ob die Liste überhaupt authentisch ist.
Symlink-DebatteInformationsfreiheit
Praktisch fungiert die Liste derzeit als Online-Pranger, und jeder, der sich in ihr wieder findet, dürfte zumindest berechtigte Angst vor unüberlegten Reaktionen bekommen.
Trotzdem ist die Diskussion derzeit ausgewogen; zahlreiche Meinungen besagen, dass ein einziger Fahndungserfolg durch die Veröffentlichung die Verletzung der Datensphäre Unschuldiger rechtfertigt.
