Wall Street nimmt Handel wieder auf
Die längste Schließung der New Yorker Börse seit dem Börsencrash von 1929 soll heute wieder aufgehoben werden.
Der Vorsitzende der New York Stock Exchange [NYSE], Richard Grasso, sagte, die Tests der Computer- und Kommunikationssysteme seien erfolgreich verlaufen.
Der Handel war nach der Terrorserie in den USA für vier Tage ausgesetzt worden. Während Pessimisten panikartige Verkäufe befürchten, erwarten Optimisten eine patriotische Reaktion der Investoren, die den Markt stärken könnten.
Zwei Schweigeminuten vor Handelsbeginn
Auch die computerisierte Nasdaq, die im Gegensatz zur NYSE keinen
Parketthandel betreibt, prüfte ihre Systeme erfolgreich und stellte
sicher, dass ihre Mitgliedsfirmen in der Lage sind, zu handeln. Nach
den Tests soll der Handel nun am Montag um 9.30 Uhr Ortszeit [15.30
Uhr MESZ] wieder aufgenommen werden. Allerdings wird es zunächst
zwei Schweigeminuten geben, bevor der Handel startet.
NYSE
NasdaqFünf Blocks vom WTC entfernt
Die NYSE liegt fünf Blocks vom zerstörten World Trade Center entfernt. Das Börsengebäude selbst war von den Attacken nicht betroffen. Aber Telefonleitungen waren ausgeschaltet worden, und einige Investment-Firmen hatten Schäden erlitten. Sie mussten ihre Geschäfte anderenorts ansiedeln und Computerverbindungen neu einrichten.
Das Gebäude der American Stock Exchange, das näher zum World Trade Center liegt, wurde dagegen so stark beschädigt, dass der Parketthandel nicht aufgenommen werden kann. Das Geschäft ist daher vorübergehend an der NYSE und an regionalen Märkten angesiedelt worden.
Täglich 100 Milliarden USD Umsatz
In den USA haben rund 80 Millionen Menschen Aktien. An der New Yorker Börse und der Nasdaq werden täglich insgesamt etwa drei Milliarden Aktien gehandelt. Die täglichen Umsätze an allen US-Börsen haben einen Gesamtwert von 100 Milliarden USD.
Panik oder Patriotismus
US-Investoren halten nun bei Wiedereröffnung der Börse sowohl wilde Verkäufe als auch stärkende Käufe für möglich. Arthur Hogan, Chef-Marktanalyst bei Jefferies & Co., zweifelt etwa daran, dass panikartige Verkäufe einsetzen - schon allein, weil das angesichts der Tragödie unangemessen wäre. Die lange Schließung der Börse über vier Handelstage ermögliche es zudem, dass ruhigere Köpfe die Oberhand gewännen.
Gegen rasante Verkäufe könnte nach Ansicht verschiedener Analysten auch sprechen, dass der Nationalstolz in den USA die Märkte stützen könnte. So sagt James Collins, Chef von Insight Capital Research and Management, offenbar gebe es eine Menge Patrioten, die jetzt erst recht Aktien kaufen wollen.
Sonderregelung für Aktienrückkauf
Um den wieder beginnenden Handel zu beruhigen, hat die US-Börsenaufsicht SEC außerdem die Regeln für den Rückkauf eigener Aktien durch Unternehmen erleichtert. Schon nach dem Börsencrash 1987 hatten viele Firmen Aktien zurückgekauft - für die Investoren häufig ein Signal, dass die Firmen sowohl in das eigene Unternehmen als auch in die Märkte und die Wirtschaft Vertrauen haben.
