11.09.2001

RON SOMMER

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Vom Helden der Volksaktie zum Buhmann

Wie ein Volksheld wurde Ron Sommer jahrelang gefeiert. Begeisterte Aktionäre baten den grau melierten Chef der Deutschen Telekom auf Hauptversammlungen gar um Autogramme.

Diese Zeiten sind nun vorbei. Am Montag mussten sich auch die treuesten T-Aktionäre eingestehen, dass sie aus heutiger Sicht aufs falsche Pferd gesetzt haben. Für viele ist Sommer vom seriösen Sachwalter ihrer Ersparnisse zum Kapitalvernichter mutiert.

Sommer-Motto: "Think global"

Für den 1949 geborenen Manager gilt gewissermaßen von Geburt an das Motto "Think global" - er kam im israelischen Haifa als Sohn eines Russen und einer Ungarin zur Welt und wuchs in Wien auf; später arbeitete er in New York, Paderborn und Paris. Mit Nachdruck dringt Sommer seit seinem Amtsantritt in der Bonner Telekom-Zentrale am 16. Mai 1995 auf das Abschütteln der alten Monopolisten-Untugenden.

Von seinem Vorgänger Helmut Ricke übernahm Sommer einen auf Privatisierung ausgerichteten Mammutbetrieb.

Bis zum Einstieg bei der Telekom hatte der promovierte Mathematiker Sommer schon reichlich Erfahrung bei Nixdorf und Sony gesammelt.

Kein Glück in Frankreich, Italien, USA

Gerade der Drang in die weite Welt wurde Sommer zum Verhängnis. Beim Streben, die Telekom zu einem international führenden Unternehmen zu machen, holte er sich mehrfach eine blutige Nase: Als er sein Haus mit Telecom Italia fusionieren wollte, fühlte sich Allianz-Partner France Telecom düpiert.

Die Franzosen kündigten die Zusammenarbeit auf, dann ging auch noch der Zusammenschluss mit den Italienern in die Brüche. Der im Mai vollzogene Sprung über den Atlantik mit dem Kauf des US-Mobilfunk-Anbieters VoiceStream erwies sich nun als Trojanisches Pferd: Einige der vor allem mit T-Aktien bezahlten VoiceStream-Großaktionäre zeigten sich nicht an dem Papier aus Deutschland interessiert und begannen, es nach dem Ende der Haltefristen abzustoßen. Seitdem lotet die Aktie immer neue Tiefen aus.