Wirtschaftskrimi um Mobtel geht weiter
Der Kauf der Mobtel-Mehrheitsanteile durch österreichische Investoren entwickelt sich zur größten Finanzaffäre Serbiens. Nach dem Lizenzentzug bietet die serbische Regierung nun gegen Zahlung von 27 Mio. Euro an Dividenden eine neue Lizenz.
Der Wirtschaftskrimi rund um die Serbien-Investition eines österreichischen Konsortiums geht in die nächste Runde.
Nachdem die serbische Regierung dem Mobilfunker Mobtel, der zu 51 Prozent im Eigentum der Österreicher Martin Schlaff, Josef Taus und Herbert Cordt steht, die Lizenz entzogen hat, ist nun eine Rückgabe möglich.
Das österreichische Konsortium könnte eine neue Funklizenz erwerben, erklärte der serbische Wirtschaftsminister Predrag Bubalo am Mittwoch in der Tageszeitung "Blic".
Die neuen Lizenzen - voraussichtlich zwei - sollen demnächst ausgeschrieben werden. "Schlaff und seine Partner würden in diesem Fall sofort eine vorläufige Lizenz für [die bisherige Mobtel-Vorwahl] '063' erhalten", berichtete die Zeitung "Vecernje novosti".
Der Lizenzentzug Mobtels sei "keine Maßnahme gegen irgendwelche ausländischen Investoren, vor allem nicht gegen österreichische", sondern geschehe im Interesse des Rechtsstaates, so Bubalo.
Streit um 52 Mio. Euro
Allerdings will die Regierung laut Zeitung die Ausgabe einer neuen Lizenz an eine Einigung über die strittigen Mobtel-Dividenden knüpfen.
Es geht um 52 Mio. Euro, welche der frühere Mobtel-Mehrheitsbesitzer, der Belgrader Geschäftsmann Bogoljub Karic, an den Minderheitsbesitzer, die staatliche Post PTT, nicht ausbezahlt hatte.
Die Hälfte davon - 27 Mio. Euro - solle Mobtel bis Ende Jänner auszahlen, dann erhalte das Unternehmen wieder eine Lizenz, schreibt die Zeitung.
Schlaff soll noch diese Woche zu neuen Verhandlungen mit der serbischen Regierung nach Belgrad reisen.
Die serbischen Behörden hatten den Lizenzentzug damit begründet, dass Mobtel rechtswidrig einen Vertrag mit dem Mobilfunker Mobikos in der abtrünnigen Provinz Kosovo abgeschlossen haben soll.
Österreicher gehen vor Gericht
Sein Kompagnon Herbert Cordt kündigte unterdessen in einem Interview mit "News" eine Klagslawine gegen die serbische Regierung an.
"Wir behalten uns vor, gegen die Regierung massiven Schadenersatz geltend zu machen. Wir werden den Kaufpreis zurückfordern sowie den entgangenen Gewinn und den Schaden, der durch die Zwangsverwaltung entstanden ist, einklagen", so Cordt.
Die Mobtel war nach dem Lizenzentzug vergangene Woche unter die Zwangsverwaltung der rein staatlichen Telekom Srbija, dem einzigen bisherigen Mobtel-Konkurrenten gestellt worden.
Nach Angaben des Austro-Konsortiums in "News" soll die Telekom Srbija daraufhin sofort mit dem Kopieren sämtlicher Kundendaten begonnen haben. Auch die Abrechnungen sollen bereits auf ein neu eröffnetes Konto ausgelagert worden sein.
Karic kehrt nach Serbien zurück
Der sich seit Tagen im Ausland aufhaltende Bogoljub Karic will laut Ankündigungen seiner Partei, der "Bewegung Kraft Serbiens" [PSS], noch im Laufe des Tages nach Belgrad zurückkehren.
Größter Fall von Wirtschaftskriminalitäts
Der serbische Innenminister Dragan Jocic kündigte mittlerweile eine umfangreiche Untersuchung der Geschehnisse um Mobtel an und sprach von dem bisher womöglich größten Ermittlungen im Bereich der Wirtschaftskriminalität.
Die Öffentlichkeit habe ein Recht zu erfahren, warum der Mobilfunkbetreiber im vergangen Jahrzehnt seit seiner Gründung 1994 keine Dividenden an den Staat als Miteigentümer ausbezahlt hat, so Jocic.
Die anfänglichen Indizien über den unbefugte vertragliche "Weitergabe" der Lizenz an den Mobilfunkbetreiber Mobikos von Ekrem Luka hätten sich außerdem bestätigt.
Die PTT hat inzwischen den früheren Geschäftsführer der Mobtel, den Briten Patrick Harpour, verklagt. Die Klage bezieht sich laut Medienberichten auf eben jenes Abkommen zwischen Mobtel und Mobikos. Die Mobikos sollte ihre Schulden, die auf Grund des Abkommens gegenüber der Mobtel entstanden waren, in Höhe von umgerechnet 400.000 Euro nicht beglichen haben.
Weiterverkauf an mobilkom
Die österreichischen Aktienbesitzer wollen die Mobtel-Anteile anschließend an die Telekom-Austria-Tochter mobilkom weiter verkaufen.
Klage und Gegenklage
Das Abkommen zwischen Mobtel und Mobikos vom Dezember 2003 war letzte Woche der Anlass für den Entzug der Funklizenz für den serbischen Handynetzbetreiber gewesen, der sich seit Mai im Mehrheitsbesitz der österreichischen Investoren Martin Schlaff, Josef Taus und Herbert Cordt befindet.
Harpour ließ in einer schriftlichen Aussendung wissen, dass das strittige Abkommen mit Mobikos bereits vier Monate nach dem Abschluss gekündigt worden war.
Die PTT hatte am vorletzten Dezember-Tag auch die Mobtel-Mehrheitsbesitzer Schlaff und Co zwecks Einkassierung von fälligen Dividenden verklagt.
(Futurezone / APA)
