Video-Streaming als Kunstform betrachtet
"Beta Lounge" ist das älteste und bekannteste Angebot für elektronische Live-Musik im Web. Was heute fast schon normal erscheint, war 1996 noch eine ziemlich verrückte Sache. Der Livestream aus einem Hinterhofstudio im Mission District von San Francisco hörte sich an wie die Außenaufnahmen von Bluesmusikern zu Beginn des 20.Jahrhunderts.
Heute gilt die "Beta Lounge" als führendes, unabhängiges Sprachrohr der elektronischen Musikszene im Netz. Die wöchentliche Show sowie das Online-Archiv - das mittlerweile rund 3000 Stunden dokumentierter DJ-Skills umfasst - erfreuen sich einer ständig wachsenden Zuhörerschaft, die derzeit 450.000 treue Fans zählt.
"Unsere Überzeugung, dass man Freiheit letztlich nur durch konsequentes Verfolgen der Dinge, an die man glaubt, erlangt, hat uns in ausreichender Distanz zu aggressiven Übernahmeversuchen von Investoren gehalten", so Olje Lütjens von "Beta Lounge".
Zane Vella, Mitbegründer der "Beta Lounge", im Interview
"Mich interessiert es, wie fortschrittliche Kreative ohne
Barrieren im Kopf, die Technologien, Tools und Software dafür
nutzen, ihre eigenen Sichtweisen und Haltungen unter den Mainstream
zu mischen. Auf Wegen, die es früher nicht gegeben hat."
Beta LoungeSmash TV
Die technischen, sozialen und künstlerischen Erfahrungen im Rahmen der "Beta Lounge" nützte Zane Vella auch für seine Company "Smash TV", die er bereits 1994 gründete. Spezialisiert auf Breitband- und Streaming Media-Plattformen zählen auch Industriegiganten wie Disney, News Corp, Viacom, Ericsson oder Apple zu seinen Kunden.
Für unabhängige "broadband producers" bietet "Smash TV" auch eine Reihe kostenloser Softwaretools an. "Wir wollen dass jeder, der eine Website gestalten oder einen digitalen Video- oder Audioclip zu produzieren weiß, seine Arbeit selbst ins Netz stellen kann", so Zane Vella.
Kleine Netzwerke schlagen große Konzerne
Die Vision, die den Gründer der Consulting- und Produktionsfirma
"Smash TV" inspiriert: Ein Netzwerk unabhängiger Produzenten kann
letztlich auch als Wirtschaftsfaktor mächtiger sein als
zentralisierte Systeme.
Smash TVmatrix über Medienkunst
In der Medienkunst hat sich eine Vielzahl neuer Genres
entwickelt. Die Protagonisten bewegen sich in der Subkultur, in der
Popkultur, in Wissenschafts- und Kunstlabors, aber auch in
Entertainment und Business-Hochburgen. Die neuen Plattformen,
Kooperationen und Geschäftsmodelle der jungen Künstlergeneration
könnten den traditionellen Kunstbetrieb bald wie eine Geisterstadt
aussehen lassen. Dies meint jedenfalls Gerfried Stocker, der
Direktor der Ars Electronica, der heuer den "takeover" als Motto des
Festivals provokant bestimmte. Was die Akteure der sich ständig
erneuernden Szene wirklich wollen, das versuchte matrix vor Ort
herauszufinden.
matrix - computer & neue medien~ Link: N(e)xt Generation Creatives (http://kultur.orf.at/orfon/kultur/010905-5992/6003txt_story.html) ~
