Onlinesucht als Krankheit anerkennen

Digi-Giftler
01.01.2006

Die Zahl der Internet-Abhängigen steigt stetig, Kinder und Jugendliche sind laut Experten dafür besonders anfällig.

Internetsucht sollte nach Ansicht deutscher Psychologen als Krankheitsbild anerkannt werden.

Anders als beispielsweise in den USA gebe es in Deutschland bislang keine festen Diagnosestandards, so Wolfgang Frindte von der Friedrich-Schiller-Universität. "Es geht nicht darum, die Betroffenen zu stigmatisieren, sondern darum, prüfbare Kriterien zu entwickeln."

Nach Schätzungen zeigten etwa acht Prozent der 14- bis 18-Jährigen bereits Suchtmerkmale im Umgang mit dem Internet. "Kinder und Jugendliche sind dafür besonders anfällig, vor allem wenn sie keine Erziehungsführung haben," warnt der Psychologe.

Die Internetsucht [Onlinesucht, Chatsucht] ist der zwanghafte Drang, sich regelmäßig und exzessiv mit dem Internet zu beschäftigen. Typisch ist hierbei die Nutzung von Foren, Chatrooms und Spielen.

Selbst "Harry Potter" verliert seinen Reiz

Bei der Sucht nach dem Internet sei nicht allein die Zeit entscheidend, die im Netz verbracht wird. Zu den Merkmalen gehörten unter anderem der Drang nach zwanghafter Wiederholung und die zunehmende Einengung sozialer Beziehungen.

Ähnlich wie beim Rauchen werde versucht, das eigene Verhalten zu rechtfertigen, auch wenn gesundheitliche Schäden zu befürchten seien, sagte Frindte.

Untersuchungen belegten jedoch auch, dass sich das Suchtverhalten nicht selten im Erwachsenenalter wieder verliert. "Kinder und Jugendliche haben ein besonderes Interesse an Internetformaten wie Chatrooms und Diskussionsforen beispielsweise zu Harry Potter, die auf sie als Erwachsene keinen Reiz mehr ausüben."