Verbrecherjagd per SMS
SMS-Verteiler sollen helfen, Verbrecher zu jagen und Werbebotschaften zu verbreiten.
Auf der Website des Münchner Unternehmens SafeCity können sich Handy-Besitzer registrieren lassen, um kurze Suchmeldungen nach vermissten Menschen, gestohlenen Autos oder aktuelle Polizeimitteilungen zu erhalten.
Um das Ganze finanzieren und bei erfolgreichen Hinweisen eine Prämie von umgerechnet 3.500 ATS zahlen zu können, hängt SafeCity hinter jeden Hinweis eine Werbebotschaft. Polizei und Kriminologen sehen das Angebot gelassen.
7.800 registrierte SMS-Empfänger
Bisher 7.800 registrierte Teilnehmer gibt es, bis zu 200
Neuanmeldungen verzeichnet der im Mai gestartete Dienst pro Tag.
"Besonders bei vermissten Personen sind die ersten 24 Stunden
entscheidend. Es geht darum, möglichst schnell eine große
Öffentlichkeit zu erreichen", erklärt der ehemalige
Kriminaloberkommissar Schmid das Konzept.
SafeCityDrei Fälle gelöst
"Dabei hat die SMS einen großen Vorteil: Sie erreicht den potenziellen Zeugen sofort." Zudem könne sie - anders als Radio-Suchmeldungen - gespeichert und bei Bedarf wieder abgerufen werden.
Eine knappe Personenbeschreibung oder das Autokennzeichen sollen die Handy-Detektive auf die heiße Spur leiten. Drei Mal habe das auch schon geklappt und zu entscheidenden Hinweisen an die Polizei geführt, sagt Schmid. In Nordrhein-Westfalen sei ein Zeuge eines Tötungsdelikts ausfindig gemacht worden, in Bayern und Hessen seien gestohlene Autos wieder gefunden worden.
Als Informationsquellen dienen SafeCity die offiziell von der Polizei herausgegebenen Suchmeldungen. Registrierte SMS-Detektive sollen im Schnitt nicht mehr als zwei Meldungen pro Tag erhalten, die auf den jeweiligen Wohnort des Empfängers zugeschnitten verteilt werden.
700 Meldungen verschickt
Eine Nachricht wie "München, gesucht wird Sandra, 6 J., blonde Haare, 100 cm, rote Hose, bl. Pullover, Info an T. 110" wird also nur im Raum München versendet.
Insgesamt hat SafeCity nach eigenen Angaben bisher rund 700 Meldungen verschickt. Die Reaktion der Polizei auf das neue Service sei gut. "Wir konnten manche anfänglichen Bedenken ausräumen", sagte Schmid.
Bis Jahresende rechnet Schmid mit 50.000 registrierten Teilnehmern - dann hätte die SafeCity AG nach seinen Angaben auch die Gewinnschwelle erreicht. Zurzeit sei eine Bäckerei der einzige Sponsor, aber SafeCity sei mit acht weiteren im Gespräch.
