Der Weg in die Halbleiterkrise
Noch vor zwölf Monaten konnten die Chip-Hersteller die Nachfrage der Produzenten von Mobiltelefonen, PCs, Taschencomputern und sonstigen High-Tech-Spielzeugen kaum befriedigen.
204 Milliarden Dollar [224 Mrd. Euro] wurden im Spitzenjahr 2000 mit Halbleitern umgesetzt; 37 Prozent mehr als 1999.
Mittlerweile herrscht Katzenjammer: Die Konjunkturflaute und immense Überkapazitäten machen der Branche zu schaffen. Ein Teil der Probleme ist hausgemacht.
Hitachi entlässt 20.000 Mitarbeiter
Der größte japanische Elektronikkonzern Hitachi will einem
Zeitungsbericht zufolge weltweit 20.000 seiner derzeit 340.000
Arbeitsplätze abbauen. Zudem wolle Hitachi seinen Chip-Bereich
umfangreich umstrukturieren.
Stellenabbau durch "freiwilliges Ausscheiden"Zyklisches Geschäft
Kaum ein anderer Markt reagiert so stark auf die Schwankungen bei Angebot und Nachfrage.
Grund sind immer schneller werdende Innovationszyklen: Ist ein Produkt auf dem Markt, steht der Nachfolger oft schon bereit.
Wer von den Herstellern den richtigen Zeitpunkt verpasst, muss eine monatelange Durststrecke durchstehen und kann erst beim nächsten Zyklus auf Gewinne hoffen.
Toshiba streicht 20.000 Arbeitsplätze
Der Elektronikkonzern Toshiba wird in den kommenden zwei Jahren
20.000 der 190.000 Beschäftigten abbauen. Das berichteten mehrere
japanische Online-Medien, die sich auf Aussagen von - nicht
genannten - Führungskräften des Unternehmens berufen.
Vor allem Halbleiterproduktion betroffenÜberkapazitäten
Weltweit gibt es derzeit nach Branchenrechnungen rund 35 Chipfabriken zu viel.
Da diese Anlagen sehr teuer sind, schrecken Firmenchefs davor zurück, bei nachlassender Nachfrage die Produktion zu drosseln.
Die Folge ist ein Preisverfall: bei so genannten DRAM-Chips etwa für PC-Hauptspeicher - seit dem vergangenen August allein um 90 Prozent.
Fujitsu entlässt 16.400 Angestellte
Fujitsu plant in diesem Geschäftsjahr den Abbau von 16.400
Stellen. Das sind rund zehn Prozent der derzeit 180.000 im Konzern
beschäftigten Mitarbeiter, berichtete die japanische
Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun".
Chipproduktion nur noch in JapanFehler der Vergangenheit
Einen Teil der Probleme haben die etablierten Chiphersteller mitverursacht.
Um Kosten zu sparen, wurde in der letzten Boom-Phase an Drittanbieter - so genannte Foundries - ausgelagert, die selbst keine Chips mehr entwickeln, sondern nur im Auftrag produzieren.
"Ein großer Teil der Fertigung ist nun in unabhängigen Händen", sagt ein Branchenkenner. "Damit weiß heute kaum noch jemand, wie viel produziert wurde und wie viel Bedarf wirklich da ist."
"Wenn auf gut Glück zu viele Aufträge vergeben wurden, dann bricht alles zusammen."
