26.08.2001

GAME OVER

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Wenn Computerspiele "töten"

Die Liebe zum 3-D-Actionspiel Half Life endete in Thailand für einen Spieler tödlich und für einen anderen mit einer langjährigen Gefängnisstrafe.

Der 22-jährige Arbeiter Thanet Sommoi wurde vergangenen Donnerstag tot über seinem Keyboard liegend gefunden. Schlaflosigkeit und Stress führten zum Herzstillstand. Gleichzeitig wurde am Donnerstag der 21-jährige Daniel Tan Thiam Soon zu sechs Jahren Haft und sechs Hieben mit dem Rohrstock verurteilt.

Er hatte einen Freund, der im Spiel seinen Charakter mit dem Messer umbrachte, im Gegenzug in den Rücken gestochen.

Herzversagen wegen Überanstrengung

Freunde von Thanet Sommoi berichteten, der passionierte Spieler sei allabendlich nach Dienstschluss von der Keramikfabrik in ein nahe geleges Internet-Cafe gefahren, um Half-Life Counter-Strike zu spielen.

Am Mittwochabend holte er wie üblich sein Essen in einem nahe gelegenen Shop ab, um anschließend ungestört in seinen eigenen vier Wänden weiterzuspielen.

Dort wurde er von seinen Freunden am nächsten Tag gefunden, die ihn unverzüglich in ein Krankenhaus einlieferten, nur um dort vom "realen" Tod ihres Mitspielers in Kenntnis gesetzt zu werden. Nach Ansicht der Behörden hätte er ohne Pause von Mittwoch auf Donnerstag durchgespielt, als ein Herzversagen wegen Überanstrengung eintrat.

Virtueller Messerhieb und reale Reaktion

Anders bei Ng Qiyong, 16 Jahre alt.

Als er seinem 21-jährigen Freund Daniel Tan Thiam Soon gestand, dessen Spiele-Charakter mit einem Messer erstochen zu haben, reagierte dieser unverzüglich mit einem Hieb eines realen Messers in den realen Rücken seines Freundes.

Ng Qiyong kam mit einer einen Zentimeter tiefen Schnittwunde davon, doch die Vorfälle rund um gewalttätige Computerspiele machten die asiatische Öffentlichkeit erneut auf das an Popularität gewinnende Hobby ihrer Jugend aufmerksam.

Die Zukunft der Kinder

Die Popularität von Half-Life Counter-Strike verwandelt zunehmend Internet-Cafes in regelrechte Spielhöllen, in denen die Kunden den Kampf um den globalen Terrorisums am Bildschirm austragen.

Eine Konferenz namens "Die Zukunft der Kinder und Jugendlichen im Computerzeitalter" letzte Woche in Bangkok diagnostizierte eine Sucht nach Computerspielen in der jungen Bevölkerungsschicht, die einhergehe mit der Abspaltung der Betroffenen von Familie und sozialem Umfeld.

Derweil überlegt die thailändische Filmbehörde, ob ein Hinweis auf Gewaltdarstellung an der Verpackung der betroffenen Computerspiele sinnvoll ist.