Das Internet als Archiv betrachtet
"Meine Horrorvision ist wirklich eine Zukunft, in der die Leute sich fragen, was ihre Vorfahren im 20. Jahrhundert gemacht haben", so Brewster Kahle. Der Cyberarchivar aus San Francisco hat sich zum Ziel gesetzt die flüchtigen Internet-Bytes der Nachwelt zu erhalten.
Im Bürokeller seiner Organsisation "The Internet Archive" stehen 120 aneinandergereihte Supercomputer, die unentwegt Schnappschüsse des World Wide Web machen. Gespeichert werden die Funde auf einer Bandbatterie von der Größe eines normalen Kleiderschranks.
Die Suchroboter durchforsten pro Tag 100 Gigabyte an Netzinhalt. Das ist beachtlich, aber dennoch ein aussichtsloser Wettlauf gegen die Zeit. Kahle muss - bei allem Anspruch auf Vollständigkeit - selektiv vorgehen.
Brewster Kahle im Interview
"Wir versuchen natürlich eine Kopie von jeder Webseite zu machen, aber wir können nicht jede, klitzekleine Fluktuation festhalten. Im Schnitt machen wir alle zwei Monate einen neuen Schnappschuss von jeder Webseite. Unsere Archivierungsarbeit geht zurück bis ins Jahr 1996. Seitdem haben wir 40 TB an Daten gesammelt. Das ist doppelt so viel wie das, was die Kongress-Bibliothek in Washington an Text zu bieten hat und die größte, gesammelte Textmenge seit Menschengedenken."
Zugriff auf Archiv
In einigen Monaten wird das Archiv-Service auch für den normalen
User leicht zu nutzen sein und zwar über das Internet. Neugierige
können sich unter der Webadresse www.archive.alexa.com. schon jetzt
einen kleinen Eindruck davon verschaffen.
www.archive.alexa.comSicherheitskopien
Länder wie Australien und Schweden arbeiten zwar auch an der Archivierung des Internets, aber ihre Bemühungen bleiben zumeist auf nationale Webseiten begrenzt. Dabei wäre eine Kooperation auf internationaler Ebene in jedermanns Interesse, ist Brewster Kahle überzeugt. Denn die Chance, dass die Internetarchive der Nachwelt auch erhalten bleiben, ist nämlich nur dann realistisch, wenn mehrere Kopien an verschiedenen Orten lagern.
Bisher gibt es nur eine vollständige Kopie des Internetarchivs. Wo, das will Kahle aus Sicherheitsgründen nicht verraten. Doch sein fast schon neidischer Blick auf die massive Golden Gate Bridge vor seinem Bürofenster spricht Bände. "Sie wissen", seufzt er ein wenig resigniert, "Kalifornien ist eine Erdbebenregion, Katastrophen sind hier nie auszuschließen."
In einem weiteren Beitrag berichtet matrix von der jährlichen internationalen Konferenz über "Artificial Neural Networks", die vergangene Woche in Wien an der Technischen Universität stattfand. Die Themen, die von über 200 Vortragenden bei dieser Konferenz behandelt wurden, reichten von statistischen Methoden für Wirtschaftssimulationen, Datamining bis hin zu Kognitionswissenschaft, Robotik und intelligenten Systemen. Der interdisziplinäre Ansatz ist für Forscher sicherlich reizvoll, führt aber auch zu Mißverständnissen, hohen Erwartungen oder Verständnisproblemen. Unter dem Fachpubklikum in Wien führte sie bei manchen auch zu der Frage: Was hat das noch mit neuronalen Netzen zu tun?
matrix - computer & neue medien
