Eine Software wird erwachsen
"Hal" ist 18 Monate alt und will in den Park Ballspielen gehen. Sein berühmter Namensgeber hat im Film "2001. A Space Odyssey" in diesem Jahr schon schwerwiegendere Entscheidungen gefällt, aber immerhin haben die beiden eine wichtige Gemeinsamkeit: Sie sind Software-"Persönlichkeiten".
Das "Hal"-Programm bestand bei seiner "Geburt" lediglich aus einer Reihe von Algorithmen, die "Belohnungen" als positiv und "Bestrafungen" als negativ einordnen und den Buchstaben des Alphabets.
Die Firma Ai, die "Hal" kreiert hat und ihn "aufzieht", verfolgt mit dem Projekt das Ziel, dass "Hal" in zehn Jahren den Turing-Test besteht, der intelligente Maschinen erkennen soll, was bislang aber noch keiner Software gelungen ist.
Dazu wird "Baby-Hal" permanent mit Geschichten gefüttert und von seiner "Mutter", der Neurologin und Linguistin Dr. Anat Treister-Goren, unterhalten und mit Fragen auf Trab gehalten.
Ai [Artificial Intelligence] ist eine Firma in Privatbesitz, die Niederlassungen in Boston und Tel Aviv hat.
AiTuring-Test
Der Computer-Pionier Alan M. Turing hat den Test, der später nach ihm benannt wurde, 1950 in der Zeitschrift "MIND" erstmals vorgestellt. Der Test gilt seitdem als Kriterium dafür, ob eine Maschine als intelligent gelten kann.
Zu dem Test kommuniziert ein Mensch mit einem anderen Menschen und der zu testenden Maschine, wobei der Tester nicht wissen darf, welche Beiträge menschlich und welche künstlich generiert sind.
Der Tester muss nun durch Fragen herausfinden, wer Mensch und wer Maschine ist. Wenn er den Mensch nicht von der Maschine unterscheiden kann, gilt diese als intelligent.
Bislang versagten allerdings noch alle Maschinen [Programme] bei ernsthaft durchgeführten Turing-Tests.
Der Turing TestPsychologe wurde schon getäuscht
Einen ersten Erfolg auf dem Weg zum erfolgreichen Turing-Test hat der kleine "Hal" angeblich schon bestanden:
Laut Ai hat ein Kinder-Psychologe, dem Abschriften der Dialoge des Programms mit seinen Betreuern vorgelegt wurden, "Hal" bescheinigt, ein geistig völlig normales und gesundes Kind zu sein.
Demnächst startet auch bei uns ein Film, von dem vielfach erwartet wird, dass er die Diskussion um intelligente Maschinen und unser "Verhältnis" zu ihnen in ähnlicher Weise beeinflussen wird wie Stanley Kubricks "2001: A Space Odyssey" aus dem Jahr 1968. Steven Spielbergs "A.I.- Artificial Intelligence" basiert auf einem Konzept von Kubrick und erzählt die Geschichte eines "Roboterbuben", der programmiert wurde, Liebe zu empfinden, und daher als Gegenentwurf zum tragischen Menschenkiller "HAL" aus "A Space Odyssey" gesehen werden kann.
Künstliche Intelligenz in Film und WirklichkeitIntelligent unter Windows
"Hal" läuft auf einem normalen Windows-Rechner, sehr viele Details seiner Programmierung gibt Ai allerdings nicht bekannt, da sich das Unternehmen von der ersten intelligenten Software ein Fülle von lukrativen Anwedungen verspricht.
Prinzipiell lernt "Hal" aber wie auch andere Kinder durch Trial-and-Error. Wenn das Programm etwas sinnvolles sagt, wird es "belohnt", gibt es nach menschlichem Ermessen Unsinn von sich, wird es "bestraft".
In zehn Jahren soll "Hal" dann so intelligent wie ein 15-jähriger Mensch sein, den Turing-Test bestehen und anschließend als Prototyp das Mensch-Maschine-Interface der Zukunft repräsentieren.
