Googles potentielle Erben
Momentan ist eindeutig Google der allgemeine Suchmaschinen-Liebling: Die Suchergebnisse werden allseits gelobt, das spartanische Design ist vorbildhaft und sogar Googles Geschäftspraktiken werden von Nutzern, Konsumentenschützern und der Presse postiv bewertet.
Während Google damit wohl seinen Zenit an Popularität erreicht hat, machen eine Reihe von neuen Suchmaschinen Nachfolgeransprüche geltend: Teoma, Wisenut, Meta-Suchmaschinen wie Vivismo und Locations-based-Services sowohl für mobile Anwendungen wie auch für Web-Sites.
Konsumentenschützer haben unlängst bei der US-Wettbewerbsbehörde eine Beschwerde gegen acht große Suchmaschinen eingereicht, weil diese angeblich bezahlte Suchergebnisse und Links nicht oder nicht deutlich kennzeichnen und damit die Nutzer täuschten. Unter den großen Suchmaschinen wird von den Konsumentenschützern lediglich Google eine klare Kennzeichnung der bezahlten Links bescheinigt.
Bezahlte Suchergebnisse als Boom-BusinessDer IPO als möglicher Anfang vom Ende
Obwohl Google durch bezahlte Suchergebnisse und die Lizenzierung seiner Technologie nach eigenen Angaben schwarze Zahlen schreibt, wird der angekündigte Börsengang vielfach als Risiko betrachtet.
Sollte Google nach dem IPO einen Ergebniseinbruch erleiden, könnte es nämlich mit den vorbildlichen und transparenten Geschäftspraktiken vorbei sein.
Das Unternehmen könnte dann in eine Situation geraten, in der der Druck der Anteilseigner zu ähnlich dubiosen Praktiken zwingt, wie sie derzeit von US-Konsumentenschützern allen anderen großen Suchmaschinen vorgeworfen werden.
Googles eigene Pläne sehen natürlich dieses Szenario nicht vor. Das Geld aus dem IPO soll vielmehr in die Weiterentwicklung der Suchtechnologie investiert werden und so den Vorsprung vor anderen Anbietern noch weiter ausbauen helfen.
Wie schnell allerdings gute Vorsätze für kurzfristige Gewinnsteigerungen geopfert werden können, hat das letzte Jahr mehr als deutlich gezeigt.
Die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page wollen ihr Unternehmen noch in diesem Jahr an die Börse bringen. Unabhängige Analysten schätzen den Wert der Suchmaschine auf rund 250 Millionen USD. Für den IPO werden Gespräche mit Goldman Sachs, Morgan Stanley und Deutsche Bank geführt.
Google schreibt schwarze ZahlenDie Generalisten
Am häufigsten als potentieller Google-Nachfolger wird derzeit "Teoma" genannt.
Teoma will Googles System der Ergebnisauflistung nach Relevanz noch einen Schritt weiter treiben: Während Google dazu einfach überprüft, wieviele Links auf eine Site führen, versucht Teoma zu bewerten, wieviele Links zum Thema des gesuchten Begriffs auf die Site hinweisen.
Zusätzlich kann man sich bei Teoma die gefundenen Sites nach drei Methoden zeigen lassen: Nach der "quantitaven" wie bei Google, nach der "inhaltlichen" von Teoma und nach einer "Experten"-Auswahl, die händisch generierte Listen von relevanten Sites berücksichtigt.
Nach einem ähnlichen Pronzip wie Teoma arbeitet auch "WiseNut", das im Mai an den Start ging. Für die Ergebnisauflistung wird dabei der Text der Zielseite mit dem von den linkenden Sites abgeglichen. So sollen Links von thematisch verwandten Seiten mehr Gewicht erhalten.
TeomaMeta-Suche
Ebenfalls im Rennen um die Google-Nachfolge befinden sich eine Reihe von Meta-Searchengines.
Als herausragende "klassische" Meta-Suchmaschine gilt dabei derzeit "Vivismo", die die Ergebnisse von einer Reihe frei wählbarer "normaler" Suchmaschinen mit einem eigenen "Inhalts"-Algorithmus ordnet. Dieser sucht nach verwandten Begriffen zum Such-Objekt und ordnet die Ergebnisse nach der Häufigkeit, mit der diese auf den gefundenen Seiten vorkommen.
Einen komplett anderen Ansatz haben "BrightPlanet" und "Copernic", die sich dem Problem der dynamisch generierten Sites annehmen, auf denen sich immer mehr wissenschaftliches, juristisches oder wirtschaftliches Spezialwissen befindet.
"Dynamisch generierte Seite existieren gar nicht, solange sie nicht von einem User angefordert werden", erklärt Danny Sullivan vom Newsletter "Search Engine Watch" das Problem.
Das US-Unternehmen BrightPlanet versucht diesem Problem mit einem eigens konstruierten Web-Gateway entgegenzutreten: Mit seiner Hilfe können mit einem Schlag über 200.000 spezielle Suchmaschinen erreicht werden und damit Seiten, die sowohl Google als auch Altavista verborgen bleiben.
VivismoDatenbankgestützte Websites sind zwar wesentlich einfacher zu warten, Suchmaschinen stellen sie hingegen vor ein schweres Problem: Die Spürhunde des Web können von den dynamisch generierten Links buchstäblich in Geiselhaft genommen und in ewigen Schleifen gefangen werden.
BrightPlanetAuch das US-Unternehmen Copernic bietet mit seinem gleichnamigen Recherchetool die Möglichkeit, verschiedene themenzentrierte Suchmaschinen auf einen Schlag gemeinsam abzufragen.
CopernicLocations-based
Eine komplett andere Herangehensweise an die Suche ist derzeit mit dem Entstehen der Orts-bezogenen Services für Handys und PDAs verküpft.
Einerseits versuchen bekannte Web-Suchmaschinen wie "AllTheWeb" hier neue Nischen zu finden, in der Hoffnung dass ein zukünftiger Mainstream-Markt entsteht.
Andererseits inspirieren die mobilen Dienste Suchmaschinen wie "Lasoo" den geografischen Faktor stärker als bisher in die Suche einzubeziehen. Lasoo, das allerdings bislang nur in den USA funktioniert, ordnet Sites von Unternehmen dazu nach Postleitzahlen der Firmensitze. Dadurch sollen vor allem Services in der eigenen Umgebung leichter gefunden werden.
Lasoo
