Netz-Communities, Utopie und Profit
"Die Idee, Online-Communities als Marketingtool einzusetzen, war das Schlimmste was den Netzgemeinschaften passieren konnte", kritisiert Michael Eisenriegler, Mitbegründer der legendären Blackbox, den inflationären Gebrauch des Begriffs.
Seither will jeder Marketingstratege seine Firmen-Homepage als Community verkaufen, als Klebstoff, der Stammkunden bindet.
Mit echten Online-Gemeinschaften wie der Blackbox, österreichischer Pionier in der Community-Szene, läßt sich allerdings kein Business machen, so Eisenriegler, Geschäftsführer der Firma MediaClan.
Mit 1. Juli hat die Blackbox ihren Besitzer gewechselt und gehört nun den Usern. "Ein politisches Zeichen gegen diese Möchtegern-Communities, die nur von Marketinstragegen erfunden wurden."
Der Spirit der Selbstverwaltung
Mit 1. Juli 2001 wurde von MediaClan der Betrieb der BLACKBOX an
den Verein Black.Box.Systems übergeben und die BLACKBOX-Software im
Rahmen einer Open Source-Lizenz der Community geschenkt.
Black.Box.Systems ist nun ein demokratischer Verein, in dem alle
Members der BLACKBOX mit vollem Stimmrecht vertreten sind. Zur
Präsidentin des Vereines wurde Romana Cravos gewählt.
BLACKBOXE-Moderation in Unternehmen
Als Architekten für online-Kommunikation versteht sich die Münchner Consultingfirma "Spektrum", die sich auf firmeninterne Online-Communities spezialisiert hat. Wobei beim Beratungsprozess vor allem die Gestaltung der sozialen Interaktion im Vordergrund steht.
Firmeninterne Communities zum Wissens- und Erfahrungsaustausch verändern die Unternehmenskultur, so Christoph Hieber, Sozialpädagoge und Geschäftsführer von "Spektrum".
Die offene Kommunikationsplattform muss aber von der Führungsetage gewolllt und mitgetragen werden, sonst scheitert sie.
Wissen im Vorbeigehen
Christoph Hieber über die Vorteile einer regen
Online-Mitarbeitergemeinschaft: Beim Online-Plausch werden Probleme
und Themen angesprochen, die anders als in der Kantine professionell
aufgegriffen und bearbeitet werden können. Und was bei Research- und
E-Learning-Projekten auf ungezwungene Weise an "Wissen im
Vorbeigehen" generiert wird, kommt der Innovationskraft des
Unternehmenes zugute.
SpektrumScientific Online Community
Wissensproduktion ist der Antrieb eines Anfang Juli gelaunchten Community-Projekts. Culturalstudies.at nennt sich die Site, die im Bereich der Kulturwissenschaften tätige und interessierte Personen ansprechen will.
Hervorgegangen ist die datenbankbasierte Webplattform aus dem Forschungsschwerpunkt Cultural Studies, den Christina Lutter im Bildungsministerium koordiniert und betreut. Sie betrachtet das Online-Community Projekt als wichtiges Förderinstrument für junge Kulturwissenschafter, die im akademischen Bereich wenig verankert sind.
Gemeinschaftliche Textproduktion
Für die Konzeption und Umsetzung der Site zeichnet die auf
Wissenschaftskommunikation spezialisierte Agentur "Science
Communications" verantwortlich. Über 50 Forschungsprojekte und 3.000
Literaturtitel bilden den inhaltlichen Grundstock. Der weitere
Content wird von der Community selbst eingespeist. Für die
wissenschaftliche Textproduktion haben die Entwickler der Site in
den Diskussionsforen eine intelligente Fußnoten-Funktion
implementiert.
Culturalstudies.atAuch wenn der Mythos der Selbstorganisation virtueller Gemeinschaften noch existiert, so hat sich seit dem Massenansturm auf's Internet doch vieles verändert. Längst ist die Marketing- und Werbebranche auf den Geschmack gekommen. Denn die Netznomaden schenken Firmen-Homepages im Stil von Hochglanzprospekten nicht genügend Aufmerksamkeit. Ob im Business-Bereich oder in der Wissenschaft - Community ist nicht gleich Community. matrix hat sich mit der virtuellen Gruppendynamik auseinandergesetzt und gibt Einblicke in die verschiedensten Formen des "Community Building".
matrix - computer & neue medien
