Tricks und Monopole im Messenger-Krieg
Der "Messenger-Krieg", in dem sich in erster Linie AOL mit Yahoo und Microsoft um die Kompatibilität seines Instant Messengers streitet, scheint wieder in eine heiße Phase zu kommen.
Nachdem AOL seinen AIM [AOL Instant Messenger] jahrelang erfolgreich gegen Konkurrenzprodukte abgeschottet hatte, wurde die Öffnung zu anderen IM-Diensten eine Auflage für die Fusion mit Time Warner.
AOL hat am Mittwoch den ersten Schritt in diese Richtung getan, aber seine Rivalen damit eher verärgert als zufrieden gestellt.
Schon die Aussage AOLs von vor einem Monat, dass man ein Abkommen über die Zusammenarbeit mit "einem der führenden Anbieter" abschließen wolle, hatte das Misstrauen geschürt, das sich jetzt als berechtigt herausgestellt hat: Der AIM soll zunächst für den "Sametime Messenger" von Lotus [IBM] vollständig geöffnet werden, der auf dem Konsumentenmarkt so gut wie keine Rolle spielt.
Sametime wird vor allem von Business-Kunden verwendet. In bestimten Grenzen war er schon bisher für AIM-Nutzer offen. Zukünftig sollen Nutzer unter einer Identität mit beiden Systemen kommunizieren können.
Sametime MessengerUngenügend
AOL gab gleichzeitig bekannt, dass man keine weiteren Kompatibilitätstests plane, und schloss Annäherungen an Yahoos und Microsofts Messenger explizit aus.
Entsprechend verstimmt fiel die Reaktion der Rivalen aus. Bob Visse, Chef von Microsofts MSN-Internet-Services, stellte fest, dass "sich seit zwei Jahren nichts getan hat".
Eine Yahoo-Sprecherin betonte, dass die Öffnung für Lotus-Anwender keinen Effekt auf die eigentlich umstrittenen Services habe.
AOL dominiert den Messengermarkt, seitdem der Pionier der Branche, ICQ, aufgekauft wurde. Derzeit hat AOL mehr als 30 Millionen Messenger-Nutzer, Yahoo 9,7 und Microsoft 8,4 Millionen.
In der letzten heißen Phase des Messengerkrieges 1999 hatte AOL mehrmals Nutzer von Microsoft ausgesperrt.
Microsoft frontal gegen AOLPatt
Beobachter sehen im aktuellen Messenger-Streit allerdings auch einen Zusammenhang mit Microsofts Weigerung, AOL-Software vorinstalliert auf dem Windows-XP-Schreibtisch zuzulassen. Dabei treffen einander zwei Standard-Fronten, in denen die Unternehmen jeweils konträre Positionen einnehmen.
Im Streit um die Kompatibilität der Messenger kämpft Microsoft seit dem "historischen" Messenger-Krieg von 1999 für offene Standards. Bei der Integration von "Fremdanwendungen" in Windows XP verfolgt Microsoft dagegen prinzipiell eine Abschottungsstrategie, auch wenn unter dem Druck des Kartellverfahrens schon kleinere Zugeständnise gemacht werden mussten.
Diese Konstellation lässt Spekulationen blühen, nach denen AOL seinen Messenger als Faustpfand gegenüber Microsoft einsetzt, um doch noch in eine gute Startposition auf dem XP-Schreibtisch zu gelangen.
AOL will sich in Windows XP "einschleichen"Hausaufgaben
Mit Spannung wird jetzt erwartet, wie die US-Wettbewerbsbehörden auf AOLs letzten Schachzug reagieren.
Untätigkeit können sie AOL nach der Kooperation mit Lotus allerdings nicht mehr direkt vorwerfen.
AOL-Warner-Fusion und Messenger-Krieg
