16.08.2001

TV GOES PC

Bildquelle: mhp.org

Startschuss für digitales Fernsehen

Auf der nächste Woche beginnenden Internationalen Funkausstellung in Berlin wollen Fernsehanstalten, Gerätehersteller und Breitbandunternehmen das Zeitalter des digitalen Fernsehens einläuten.

Neben neuen Design-Fernsehgeräten, Ultra-Flachbildschirmen und Heimkinoanlagen wird der Schwerpunkt auch der Digitalisierung der Sendeprogramme sowie interaktiven Inhalten gelten.

Vom Fernseh-Sofa aus E-Mails lesen, während der Sportsendung Karten für das nächste Bundesliga-Spiel ordern, in der Werbepause via Internet kurz eine Pizza oder auch die Bluse der Nachrichtensprecherin bestellen - wenn es nach dem Willen der Unterhaltungsindustrie geht, soll all das in Zukunft möglich und der Fernsehabend zu einem multimedialen Erlebnis werden.

Frequenzen-Verschwendung

Die Organisatoren der Internationalen Funkausstellung in Berlin bezeichnen auf ihrer Website analoges Fernsehen als "Verschwendung von Sendefrequenzen", da dabei 25 Mal in der Sekunde ein komplettes Bild mit allen eben noch erkennbaren Details vom Sender zum Empfänger übertragen werde. Auch dann, wenn sich gegenüber dem vorherigen Bild praktisch nichts geändert hat.

Selbst bei einem Standbild würde minuten- oder stundenlang - solange eben das Standbild übertragen wird - eine Wiederholung nach der anderen folgen.

Anders beim digitalen Fernsehen: Denn da wird dieses Bild nach einer fünfundzwanzigstel Sekunde im Empfänger gespeichert. In der Folge wird nicht mehr das komplette Bild [das schon im Speicher steht] übertragen, sondern nur noch die Veränderung gegenüber dem vorherigen Bild, die an der richtigen Stelle des gespeicherten Bildes eingefügt wird.

Perspektiven und Chancen des digitalen Fernsehens

Als Hauptvorteile des digitalen Fernsehens sehen die IFA-Organisatoren, dass die Digitaltechnik erstklassige und weitgehend störungsfreie Übertragungs- und Wiedergabequalität sicherstellt.

Technische Details

Die IEEE-1394-Multimedia-Gruppe am Institut für Computertechnik der TU Wien definiert MHP als "eine Schnittstelle zwischen interaktiven digitalen Anwendungen und den Endgeräten, auf denen diese ausgeführt werden".

"Diese Schnittstelle entkoppelt die Anwendungen verschiedener Anbieter von den Eigenheiten der Hardware und Software verschiedener MHP-Geräte. Daduch ermöglicht es den Dienstanbietern, verschiedenste Typen von Set-Top-Boxen, TV-Geräten und Multimedia-PCs zu bedienen."

Als Beispiele für die Anwendung von MHP werden neben Informationsdiensten wie "Super-Teletext" und News-Ticker vor allem "Electronic Program Guide" [EPG] und gesicherte E-Commerce-Transakionen genannt.

Weiterentwicklung des "Digital Video Broadcasting Project"

MHP stellt eine Erweiterung des DVB-Standards dar, der vom "Digital Video Broadcasting Project" [DVB] etwickelt wurde, einem Industrie-Konsortium, dem über 300 Fernsehstationen, Netzwerkbetreiber, Geräte- und Softwareproduzenten und Regulierungsbehörden in über 35 Ländern angehören. Laut TU Wien besteht die Architektur von MHP aus drei Schichten:

Resources

: Dabei handelt es sich typischerweise um Verarbeitungs-Einheiten für MPEG-Datenströmen, I/O-Geräte, CPU, Speicher oder Grafik-Systeme.

System Software

greift auf die verfügbaren Ressourcen zurück, um den Anwendungen eine abstrakte Sicht der Plattform zu bieten.

Erste Geräte ab 2002

Anders als etwa die D-Box der KirchGruppe ist der Standard, auf den sich führende Technologie-Unternehmen, Gerätehersteller, Breitbandanbieter und TV-Sender geeinigt haben, nicht nur für den Empfang spezieller Programmangebote konzipiert.

"Wir werden unser Partner-Netzwerk unter anderem mit RTL und ARD auf der IFA vorstellen", heißt es etwa bei Panasonic.

Zum Weihnachtsgeschäft werde das Programm im Regelbetrieb laufen. Noch sei die Software, die die Kundensicherheit gewährleisten wird, nicht fertig. Doch frühestens 2002 werde Panasonic seine erste Set-Top-Box auf den Markt bringen.

Während Sony und Loewe Fernsehgeräte der neuen Generation mit integrierter Set-Top-Box anbieten, offerieren andere Unternehmen wie Philips und Panasonic Zusatzgeräte, mit denen sich jeder herkömmliche Fernseher Multimedia-tauglich machen lässt.