Virtuelle Realität wird realer
Die Computergrafik-Industrie trifft sich derzeit beim wichtigsten Event des Jahres - der Siggraph, der jährlichen Convention rund um Grafik, Multimedia, Spiele und Virtuelle Realitäten.
Die Siggraph [Special Interest Group on Computer Graphics and Interactive Techniques] wurde erstmals 1969 ins Leben gerufen und hat sich gerade in den letzten Jahren zum Szenetreff Nr. 1 gemausert. Im Los Angeles Convention Center werden heuer noch bis zum 17. August Konferenzen abgehalten - insgesamt werden mehr als 40.000 Fachbesucher erwartet.
Siggraph 2001Virtuelle Realität wird perfektioniert
Der Trend geht hin zu perfektionierten computergenerierten Umgebungen. Meilenstein ist hierbei sicherlich der erste vollständig computergenerierte und realitätsgetreue Film, der dieser Tage auch hierzulande in die Kinos kommt: Final Fantasy. Mit einem Budget von beinahe zwei Milliarden ATS wurden Schauspieler, Landschaften und Monster generiert. Um den Film zu komplettieren, wurde von der Firma Square ein eigenes Studio in Hawaii errichtet.
Aber auch interaktive virtuelle Realitäten erfahren eine bis dato nicht da gewesene Detailtreue. Markantestes Beispiel ist eine Installation, die in den Media Labs des Massachusettes Institute of Technology [MIT] entwickelt wurde und derzeit auf der Siggraph 2001 ausgestellt ist.
Virtuelle Wölfe reagieren auf Geheule
"Alpha Wolf" erlaubt dem Benutzer, mit einem Rudel unabhängig
agierender virtueller Wölfe zu interagieren. Die Wölfe werden auf
einem Display in Echtzeit dargestellt und reagieren auf Heullaute,
Knurren und Winseln. Ein ausgeklügeltes Computermodell bestimmt die
sozialen Bindungen zwischen den Wölfen, die sich dynamisch
untereinander, aber auch durch Benutzereinfluss ändern. Die
Bindungen werden vom Gemütszustand der Wölfe, ihrer sozialen
Position innerhalb der Gruppe und ihren früheren Erfahrungen
bestimmt.
Alpha WolfWas da noch fehlt, sind taktile Reize. Doch auch daran wird gearbeitet - so forscht ein Team rund um Takuya Nojima an der Universität von Tokyo an "Touch Technologies". In einem späteren Stadium soll es möglich sein, äußerst feine Berührungsreize - wie etwa beim Übergang von Öl zu Wasser - zu generieren.
Freilich ist auf der Siggraph 2001 nicht nur der Forschungsbereich von Interesse. Auch im handfesten Computeranimation-Bereich heisst die Devise: höher, schneller, weiter. So drängt der Chiphersteller Intel, sonst eher aus dem Desktop-Bereich bekannt, massiv in den Markt für flotte Workstations und Renderfarmen.
Intel auf dem Computergrafik-Markt
War dieser Sektor vor wenigen Jahren noch Domäne von Silicon
Graphics, Sun und Apple, so werden nun zunehmend Rechner und Server
mit Intel-Prozessoren verwendet. Die computergenerierten Bilder von
"Final Fantasy" wurden beispielsweise in einer Renderfarm mit 1.000
Pentium-III-Rechnern erstellt. "Was wir derzeit erleben, ist eine
ständig wachsende Akzeptanz unserer Chips in Hollywood", so
Intel-Sprecher Seth Walker stolz.
IntelBenchmark: 2.000 Megahertz
Intel stellt daher auf der Siggraph erstmals einen neuen Xeon-Chip mit 2.000 Megahertz Taktfrequenz vor, der vorerst in Single- und Dualprozessormaschinen zum Einsatz kommen soll.
