Technik-Paranoia tobt in Deutschland
Ein besonders bemerkenwertenwerter Fall, in dem es wahrscheinlich um eine kollektive Technologie-Psychose oder aber um ein USP [unbekanntes Schall-Phänomen] geht, wird aus Deutschland gemeldet:
"Hunderte Bürger" in Baden-Württemberg werden derzeit angeblich in der Nacht von "einem mysteriösen Brummton" um den Schlaf gebracht. Viele leiden an Herzrasen und Müdigkeit bei einem gleichzeitigen Gefühl von Erregung und unkontrolliertem Muskelzittern.
Das baden-württembergische Landesumweltamt tut die Betroffenen, die vom Bodensee bis Heidelberg über das Phänomen berichten, allerdings nicht als Spinner ab.
In den kommenden Tagen beginnt nun der Physiker Heinrich Menges von der Karlsruher Landesanstalt für Umweltschutz in zehn von 300 ausgewählten Haushalten mit der Untersuchung des Phänomens.
"Oft empfinde ich nachts, als ob mein Bett elektrisch aufgeladen wäre und Kopfkissen, Matratze und mein ganzer Körper vibrieren, und man hat den einzigen Wunsch, den Ton auszuschalten", berichtet die Betroffene Carmen Mischke. Die "Interessengemeinschaft zur Aufklärung des Brummtons" geht von Schallwellen als Ursache des Brummens aus. Allerdings sei auch ein "extrem langwelliges Elektromagnetfeld" mit Frequenzen zwischen 0,5 und 50 Hertz gemessen worden, das mit dem Brummphänomen einhergehe.
"Interessengemeinschaft zur Aufklärung des Brummtons"Paranoia regiert
Glaubt man den Machern der Site raum-und-zeit.de, dann sitzen die Schuldigen des quälenden Brummens in Alaska.
Dort haben US-Militärs im Projekt HAARP angeblich eine "gigantische Energieschleuder zur Aufheizung der Ionosphäre gebaut, um dort niedrigfrequente elektromagnetische Wellen als Superwaffe und zur weltweiten Kommunikation mit ihren U-Booten zu erzeugen".
Mit den Strahlen könne man dann "eine Nation auf einem Bein tanzen lassen" oder ein ganze Stadt in den Wahnsinn treiben, wie etwa Berlin, wo auch eine HAARP-Waffe in Form eines "ELF-modulierten Skalarinterferometers" stehe.
raum-und-zeit.deOder aber
Laut Leserhinweisen kommt die Alaska-Theorie nicht, wie von AFP
berichtet, von "raum-und-zeit.de" sondern von "raum-und-zeit.com".
Diese Site bietet auch andere interessante Geschichten wie zum
Beispiel: "Jetzt entdeckt: Die Urkräfte des Germanischen
Baumkreises".
raum-und-zeit.comAufklärung
Eine Bewertung der Waffen-"Theorie" ist dem Physiker Menges nicht zu entlocken: "Wir beginnen mit dem Wahrscheinlichen und lassen das eher Spekulative zunächst außen vor", sagt er höflich.
Deshalb benutzt der "Ghostbuster" bei der Jagd nach dem Brummton auch keine "Skalarwaffe", sondern banale Mikrofone und Erschütterungssensoren, die im tieffrequenten Bereich arbeiten.
Denn tiefe Brummtöne können von überall herrühren: von Dieselmotoren, Flugzeugen, Wasserfällen oder von Kompressoren wie in Kühlschränken und Klimaanlagen, erklärt Menges. Aber auch der Wind über Schornsteinen kann diese zu gigantischen Orgelpfeifen werden lassen.
Das menschliche Ohr registriert tiefe Töne bis hinunter zu einer Frequenz von 20 bis 40 Hertz [Schwingungen pro Sekunde]. Die Mikrofone, die die Brummtonjäger nun einsetzen werden, reichen bis acht Hertz, und die Sensoren, die Erschütterungen am Fundament der Häuser registrieren sollen, reichen gar bis drei Hertz. Das ist deshalb wichtig, weil die inneren Organe des Menschen von Frequenzen mit sechs bis zwölf Hertz zum Schwingen angeregt werden können und dann diese Töne "hören".
Massenpsychose auch in New Mexico
Wegen der Wahrnehmung des Brummens über Ohr und Bauch glaubt Menges zunächst an Schallwellen als Ursache. Elektromagnetische Strahlung wie etwa von Handys schließt der Wissenschaftler aus, weil deren Strahlungsintensität viel zu gering sei.
Bis in den Herbst hinein sollen nun die Messreihen dauern. Schließlich reichen tiefstfrequente Töne, so genannter Infraschall, kilometerweit und durchdringen selbst dicken Beton - eine Richtungsortung ist dabei aber äußerst schwer.
Und ob die Wissenschaftler Auskunft geben können, warum das Phänomen im Südwesten erst seit knapp zwei Jahren geschildert wird, ist ebenfalls offen. Zu große Erwartungen schränkt selbst Menges ein: Anfang der 90er Jahre gab es in der
Kleinstadt Taos im US-Bundesstaat New Mexico ein vergleichbares Brummen. Alles sei damals gemessen worden - ohne Erfolg.
