Kleinanleger über Libro-Bilanz "erschüttert"
Nach zahlreichen Wortmeldungen verschiedenster Kleinaktionäre wurde heute bei der außerordentlichen Hauptversammlung der seit Ende Juni im Ausgleich befindlichen Buch- und Medienhandelskette Libro ein neuer Aufsichtsrat gewählt.
Ein Antrag des Wirtschaftsanwalts Wolfgang Leitner, den Obmann des Interessenverbandes der Anleger [IVA], Wilhelm Rasinger, in den Aufsichtsrat zu wählen, wurde abgelehnt. Somit sind die Kleinaktionäre nicht im Aufsichtsrat vertreten.
Bei der Versammlung waren 150 Aktionäre bzw. Aktionärsvertreter anwesend.
Neuer Libro-Aufsichtsrat
In den Libro-Aufsichtsrat gewählt wurden heute der Rechtsanwalt
und Insolvenzspezialist Norbert Kosch, der unter anderem den
Konsum-Konkurs begleitete, weiters der Betriebswirt Hans Rohregger,
zuletzt bei der Raiffeisen Waren Austria tätig, Paul Tanos,
langjähriger Vorstand bei Wienerberger, und der Steuerberater Günter
Tik, der jahrelang als Billa-Vorstand tätig war.
LibroDie Aufsichtsräte wurden für eine volle Funktionsperiode gewählt. Die bisherigen Libro-Aufsichtsratmitglieder hatten ihr Mandat Ende Mai bzw. Ende Juni zurückgelegt.
Das neue Aufsichtsratsteam habe die Aufgabe, den Vorstand inhaltlich zu unterstützen, und solle "schlank und schlagkräftig" sein, betonte der Libro-Mehrheitseigentümer und KPMG-Geschäftsführer Gottwald Kranebitter.
Entlohnung bleibt ausgeklammert
Über eine Entlohnung der neu gewählten Aufsichtsräte - wie es der Wunsch zahlreicher Aktionäre war - könne heute nicht abgestimmt werden, weil dieser Punkt nicht auf der Tagesordnung der Hauptversammlung stehe, betonte der Hauptversammlungsvorsitzende und Notar Christoph Bieber.
"Mehr als erschüttert" über Bilanzzahlen
Über die heute veröffentlichten Bilanzzahlen der Libro AG zeigte sich Kleinaktionärsvertreter Rasinger "mehr als erschüttert". Er könne sich nicht vorstellen, "dass der Verlust von 2,5 Mrd. ATS allein auf das letzte Geschäftsjahr zurückzuführen ist. Dass die Zahlen schlecht sind, war zu erwarten, aber nicht, dass sie so schlecht sind", so Rasinger.
Das könne nicht alles in den letzten paar Monaten geschehen sein, jetzt müsse geklärt werden, ob der Libro-Vorstand, Aufsichtsrat und Wirtschaftsprüfer zu lange zugeschaut und die Banken Libro zu lange finanziert hätten.
Kleinanleger nicht im Aufsichtsrat vertreten
Ein Ausgleich für die Libro AG sei weiterhin denkenswert, weil ein Konkurs einen Totalverlust bedeuten würde, betonte Rasinger. Nun müssten das Desaster und der Vermögensverfall aufgearbeitet und die Konsequenzen gezogen werden. Allerdings sollten auch die Privataktionäre, die 29 Prozent an Libro halten, im Aufsichtsrat vertreten sein, bemerkte Rasinger.
Die Wiener Börse hat die heute Vormittag veröffentlichten Jahreszahlen 2000/01 offensichtlich positiv aufgenommen. Gegen 11.30 Uhr notierte die Libro-Aktie bei 2,40 Euro und damit 14,29 Prozent über dem Schlusskurs des Vortages.
