Horrende Geldvernichtung auf Neuem Markt
Das Jahr 2001 wird nach Einschätzung von Aktionärsschützern zu den schwärzesten Kapiteln der Börsengeschichte zählen.
"2001 geht als das Jahr der größten Kapitalvernichtung in die Annalen der Börse ein", sagte der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre [SdK], Klaus Schneider, am Montag in Frankfurt.
Zu den größten Wertevernichtern gehört die Deutsche Telekom mit 200 Milliarden Euro Verlust binnen Jahresfrist. Dagegen nehmen sich die 200 Millionen an der Börse verbrannten Euro der Telekom Austria nachgerade bescheiden aus.
Dem Neuen Markt wiederum droht nach Einschätzung der SdK der Absturz in die Bedeutungslosigkeit, zumal von den 342 Firmen weniger als ein Fünftel noch über ihrem Aktienkurs bei Börsenstart notieren.
Neuer Markt auf JahrestiefTrotz Zwischenhochs minus 85 Prozent
Der Kursrutsch des Index für den Gesamtmarkt, der Nemax All Share, seit seinem historischen Höchststand mit 8.559 Punkten am 10. März 2000 beträgt rund 85 Prozent.
Die zum damaligen Zeitpunkt auf dem Neuen Markt vertretenen 226 Firmen kommen nach SdK-Berechnung nur noch auf einen Börsenwert von zusammen 30 Milliarden Euro - nach 234 Milliarden Euro im März 2000.
Der Neue Markt werde noch viele Jahre brauchen, um sich von diesem Kursdesaster auch nur annähernd zu erholen, glaubt Straub. Auch die jüngsten Sanktionsmaßnahmen der Deutsche Börse AG dürften daran nichts ändern.
Keine Regeln, keine Strafen
Der Börsenvorstand habe es schon im Vorfeld versäumt, ein
schärferes Regelwerk mit entsprechenden Strafen zu etablieren.
Die Kurse der Nemax 50Neue Klagen von Anlegern
Gegen das krisengeschüttelte Software-Unternehmen Infomatec hat am Montag ein weiterer Schadenersatzprozess eines Aktionärs begonnen. Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt gegen die Ex-Vorstände unter anderem wegen Kursbetrugs und Insiderhandels.
Nach dem drastischen Kurseinbruch zu Jahresbeginn soll eine weitere Sammelklage von Aktionären gegen den Jenaer Softwarekonzern Intershop in den USA eingereicht werden. Das kündigte die Berliner Kanzlei Tilp & Kälberer heute an.
