"PC-Industrie hat Talsohle durchschritten"
Der weltgrößte Chiphersteller Intel erwartet nach den Worten von Unternehmenschef Craig Barrett, dass es zu einer Erholung der PC-Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte eher aus saisonalen als aus fundamentalen Gründen kommen wird.
"Jeder Anstieg im dritten und vierten Quartal wird mehr saisonal als fundamental ausfallen", sagte Barrett in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag.
Schulbeginn und Windows XP
Die stärkere Nachfrage sei unter anderem auf PC-Käufe vor Schulbeginn und die Einführung des neuen Betriebssystems Windows XP zurückzuführen.
"Die Computerindustrie hat die Talsohle durchschritten", sagte Barrett. Diese Tatsache alleine lasse einen Aufschwung erwarten. Aber die schleppende Konjunktur mache Vorhersagen über den Verbrauch schwierig.
Man habe derzeit eine gleichzeitige Verlangsamung der Konjunktur in den USA, Europa und Japan, sagte Barrett.
Vor kurzem sah alles noch anders aus
Anfang Juli hatte Barrett noch ein pessimistischeres Bild der
US-Wirtschaft gezeichnet. Er vertrat damals die Ansicht, dass sich
die Industrie in den USA längst in einer Rezession befinde. "Das mag
sich vielleicht im Wirtschaftswachstum noch nicht widerspiegeln. Wer
sich aber das Ausmaß des Einbruchs in der Kommunikations- und
Computerbranche ansieht, dem wird klar, dass wir schon mittendrin
stecken", so der Vorstandsvorsitzende damals.
Intel redet von RezessionWall Street reagiert positiv
Die Äußerungen von Barrett zum Computermarkt und positive US-Konjunkturdaten haben die Kurse an der Wall Street im frühen Geschäft am Donnerstag nach Händlerangaben kräftig angetrieben.
"Es war der Kommentar von Barrett, dass er eine Erholung für das Computergeschäft im zweiten Halbjahr sieht", sagte Larry Wachtel, Analyst bei Prudential Securities, zum Kursanstieg.
"Man muss das zwar etwas skeptisch sehen, aber er hat es gesagt."
Der Dow-Jones-Index kletterte bis gegen 15.40 Uhr MESZ um 0,89 Prozent auf 10.603,18 Punkte, während der technologielastige Nasdaq-Index 1,47 Prozent auf 2.098,70 Punkte noch kräftiger zulegen konnte. Die Intel-Aktien stiegen im frühen Geschäft um 2,37 Prozent auf 31,48 Dollar.
Merrill Lynch sieht Ende der Halbleiterkrise
Der Intel-Chef äußerte sich einen Tag nach der Studie der US-Investmentbank Merrill Lynch, die nach eigenen Angaben für die globale Halbleiterindustrie ein Ende des Abschwungs für möglich hält und für zwölf Chip-Aktien die Empfehlungen erhöhte.
"Wir glauben, dass eine Kombination von sich stabilisierenden Gewinnschätzungen, verringerten Ausgaben und einer Bodenbildung bei den Umsatzrückgängen dazu führen sollte, dass die Aktien des Bereiches sich in den nächsten Monaten langsam besser als der Markt entwickeln", heißt es in der Studie von Merrill Lynch weiter.
Merrill Lynch
