Wie das Netz zur Einbahnstraße wird
Das Internet wird allen Annahmen zum Trotz, dass das unmöglich sei, immer mehr zu einer Einbahnstraße, die zu Sites von Microsoft führt [in erster Linie Microsoft.com und MSN].
Derzeit ist allein MSN die weltweit am zweithäufigsten besuchte Site, in den USA steht Microsofts "Portal" hinter AOL und Yahoo an dritter Stelle [Unique Visitors].
Rechnet man alle Microsoft-Sites zusammen wird das Bild noch drastischer: 45 Prozent der Top-Five-Sites in 26 Ländern gehören zum Microsoft-Imperium. Weltweit liegen MSN und Microsoft.com zusammen auch deutlich vor Yahoo und AOL.
Die Zahlen stammen von Nielsen NetRatings und wurden im Juli im Auftrag des "Industry Standard" ermittelt. Unter den Charts finden sich die von fast allen EU-Ländern [inklusive Österreich].
Besucher-Charts im "Industry Standard"Fahrwasser
Die Konzentration des Verkehrs auf MS-Sites ist auch der Hintergrund der aktuellen Debatten um die Bündelung von Online-Funktionen mit Windows XP.
Vor allem AOL hat bisher auch im Fahrwasser von Windows seine Stellung als weltweite Nummer drei der am meisten besuchten Sites ausbauen können: Vor Windows XP war auf fast jeder Windows-CD AOL-Software zu finden.
Nachdem MS AOL diese Marketingpartnerschaft aufgekündigt hat, muss AOL jetzt zu drastischen und kostspieligen Methoden greifen und bietet PC-Herstellern 35 USD für jede vorinstallierte AOL-Software auf ihren PCs mit Windows XP an.
AOL will sich in Windows XP "einschleichen"Methoden
Der Kampf um den Windows-Desktop erklärt sich vor allem damit, dass die meisten Nutzer viele Einstellungen niemals verändern. Finden sie den Internet Explorer vor, der als Start-Site MSN eingestellt hat, ändern das von den US-Nutzern beispielsweise nur 41 Prozent - womit 59 Prozent regelmäßig bei MSN vorbeischauen.
Ein weiteres Feature, das Microsoft Besucher bringt, ist die "Auto Search"-Funktion des Explorers. Wird eine ungültige Adresse eingegeben, wird automatisch über eine MS-Site die Suche nach der gemeinten Site gestartet. Allein diese Funktion macht vier Prozent des Verkehrs der Microsoft-Sites aus.
Fragwürdiger Nutzen
Dass viele Besuche auf MS-Sites sich aus der Trägheit der Nutzer oder unfreiwilligen Besuchen durch Explorer-Funktionen erklären, stellt allerdings den Wert dieses Verkehrs in Frage.
Den größten Teil des US-Online-Werbekuchens können dementsprechend auch AOL und Yahoo für sich verbuchen [55 Prozent aller Einnahmen].
Aber die Bindung an MS-Sites könnte sich langfristig auch in mehr "richtigen" und damit wertvollen Besuchen niederschlagen, da MS in letzter Zeit zunehmend auch ins Geschäft mit Online-Inhalten wie dem Musikvertrieb mit "Pressplay" einsteigt.
Online-Werbekuchen für AOL und Yahoo
