Telecom Italia mit unsicherer Zukunft
Die Telecom Italia steht nach dem Machtwechsel an der Spitze vor einem drastischen Umbau.
Pirelli-Chef Marco Tronchetti Provera stellte nach italienischen Medienberichten heute eine Fusion von Telecom Italia und deren - hochverschuldeter - Mutter Olivetti in Aussicht.
Zugleich sind zusätzliche Investitionen in die Technologie geplant. Alle nichtstrategischen Tätigkeitsfelder sollen in den kommenden 18 Monaten verkauft werden.
Pirelli hatte am Wochenende bekannt gegeben, dass der Reifenhersteller gemeinsam mit Benetton indirekt die Kontrolle über die Telecom Italia übernimmt. Ein gemeinsames Unternehmen, das zu 60 Prozent Pirelli und zu 40 Prozent Benetton gehört, übernehme 100 Prozent der luxemburgischen Gesellschaft Bell SA, die über ihre Olivetti-Anteile bislang die Telecom Italia kontrollierte. Die Käufergemeinschaft will zudem auch die Großbanken Unicredito und Banca Intesa-BCI mit ins Boot holen. Danach würden sich die Anteile für Pirelli auf 60 Prozent, für Benetton auf 20 Prozent und für die beiden neuen Partner auf ebenfalls 20 Prozent belaufen.
Pirelli kontrolliert Telecom ItaliaStaat zieht sich zurück
Unterdessen hat der italienische Finanzminister Giulio Tremonti die Abtretung der vom Schatzministerium gehaltenen Anteile [3,46 Prozent] bei der Telecom Italia in Aussicht gestellt.
Dies würde gleichzeitig zum Verzicht auf das Vetorechtes des Staates bei wichtigen Entscheidungen führen. Nach derzeitigem Börsenverlauf würde dies die Einnahme von mehr als 3700 Milliarden Lire [1,9 Mrd Euro] und somit einen willkommenen Mittelzufluss für die angeschlagene Staatskasse bedeuten.
Telekom Austria nimmt Pirelli-Deal "zur Kenntnis"Alte Fehden
Die Deutsche Telekom lehnte unterdessen eine Stellungnahme ab. Der Ex- Monopolist wollte vor gut zwei Jahren selbst die Telecom Italia übernehmen. Doch der italienische Olivetti-Konzern durchkreuzte damals die Pläne der Bonner.
Allerdings heißt es in der Branche, der Gesprächsfaden zwischen den Telekom-Riesen sei nie ganz abgerissen. So sollen Deutsche Telekom und France Télécom noch im vergangenen Jahr der Telecom Italia ein Übernahmeangebot unterbreitet haben.
Deutsche Telekom kriegt Telecom Italia nichtAllianz-Gerüchte
Nach Einschätzung des Telekom-Analysten der Privatbank Sal. Oppenheim, Frank Rothauge, könnte es schon in zwei bis drei Jahren zu einer Zusammenarbeit zwischen der Telecom Italia Mobile [TIM] und der Telekom-Tochter T-Mobile kommen.
Beide würden sich exzellent ergänzen und bestehende Lücken in ihren Netzen schließen. Kai-Uwe Ricke, im Telekom-Vorstand für das Mobilfunkgeschäft verantwortlich, hat in der immer wieder auf die Logik eines solchen Zusammengehens hingewiesen.
Mit einem Engagement in Italien, Frankreich und Spanien könne die Telekom weiße Flecken auf der Landkarte schließen und den Marktführer Vodafone herausfordern.
TIM hat allerdings erst letzte Woche entschieden ausgeschlossen, eine internationale Allianz mit einem anderen Telekom-Unternehmen zu planen:
Telecom Italia bleibt Einzelkämpfer
