29.07.2001

MATRIX FORUM

Bildquelle: Apple

Design im Zeitalter der Intensivstation

Ob ein DVD-Brenner in Form eines Star-Trek-Zeichens, ein Wasserkocher, der je nach erreichter Temperatur seine Außenfarbe verändert oder Samsungs "Cell Mate", ein Organizer, der mit dem Handy zu einem Gerät verschmolzen wurde - trendige Fetisch-Produkte versprechen meist mehr als sie können.

Was sich in den Vorstellungräumen aktueller HighTech-Werkzeuge und Accessoires verbirgt, thematisiert die Schau "Global Tools", bis 9. September im Wiener Künstlerhaus.

Orientierung bieten dabei Begriffe wie Transit, Training, Neuronale Netze, Informationswärme, Stammzellen, Überleben oder Infusionen. Die Vielzahl der präsentierten Designstudien, Prototypen und exemplarischen Objekte sind in diesen Atmosphären jeweils zuhause.

Tulga Beyerle über "Transit"

Der Transitraum - eine Paraphrase auf die "Hilton Lounge" aus dem Film "2001 - Odysee im Weltraum" - ist ganz in weiß gehalten, mit Fluchtgerät, Skooter, Mobiltätsgadgets, einer Beam-Station, Lichtsäulen und Flugtaschen.

Vitus Weh über "Informationswärme"

Quer durch den Raum, der sich mit der Miniaturisierung von Technologie auseinandersetzt, ist eine durchsichtige Plastikhaut gespannt, in der die Objekte, die uns zunehmend an den Leib rücken, eingeschweißt sind.

Handlungslayouts statt Produktdesign

Der Titel "Global Tools" hat Geschichte. Bereits 1973 benutzt ihn die Avantgarde des radikalen Designs. Visioniert wurde ein Laboratorien-Netzwerk, das nicht mehr die Dinge selbst, sondern Verhaltensweisen designen sollte.

Auch wenn die Künstlergruppe aus Florenz bald an ihrem Anspruch kollabierte, so haben sich doch viele Utopien realisiert. Ob in der Mobiltelefonie, in Themenparks, im Reality-TV oder im Cyberspace - es geht um "Totalgestaltung" und im Gegensatz zu Dekor um die Erfindung der Dinge selbst, die Mitgestaltung der Umgebung und ihre Einbettung in ein Handlungslayout. Überdimsensionale Bühnenbilder - so die These der Ausstellung - sind die Quintessenz moderner Gestaltung.