Design im Zeitalter der Intensivstation
Ob ein DVD-Brenner in Form eines Star-Trek-Zeichens, ein Wasserkocher, der je nach erreichter Temperatur seine Außenfarbe verändert oder Samsungs "Cell Mate", ein Organizer, der mit dem Handy zu einem Gerät verschmolzen wurde - trendige Fetisch-Produkte versprechen meist mehr als sie können.
Was sich in den Vorstellungräumen aktueller HighTech-Werkzeuge und Accessoires verbirgt, thematisiert die Schau "Global Tools", bis 9. September im Wiener Künstlerhaus.
Orientierung bieten dabei Begriffe wie Transit, Training, Neuronale Netze, Informationswärme, Stammzellen, Überleben oder Infusionen. Die Vielzahl der präsentierten Designstudien, Prototypen und exemplarischen Objekte sind in diesen Atmosphären jeweils zuhause.
Tulga Beyerle über "Transit"
Der Transitraum - eine Paraphrase auf die "Hilton Lounge" aus dem Film "2001 - Odysee im Weltraum" - ist ganz in weiß gehalten, mit Fluchtgerät, Skooter, Mobiltätsgadgets, einer Beam-Station, Lichtsäulen und Flugtaschen.
"Transit bedeutet nicht ganz da sein, unterwegs sein, sich selbst das Gefühl zu geben nomadisch zu sein, jederzeit auch eine andere Welt in der Tasche haben zu können. Die Firma Telepong präsentiert dazu ein SMS-Device mit einer reichhaltigen Contentwelt hinter diesem kleinen Objekt, mit Zeichen, Musik und Bild, was genau auf diese Kultur des Displacement abgestimmt ist."
global tools. design im zeitalter der intensivstationVitus Weh über "Informationswärme"
Quer durch den Raum, der sich mit der Miniaturisierung von Technologie auseinandersetzt, ist eine durchsichtige Plastikhaut gespannt, in der die Objekte, die uns zunehmend an den Leib rücken, eingeschweißt sind.
"Die Dinge werden so klein, dass sie wieder angezogen werden müssen. Hier ist ein Handy aus Japan an dem lauter kleine Figürchen hängen. Wir nennen es "Handy mit Strapsen", auch um diese emotionale Aufladung, die diese Objekte offensichtlich benötigen zu zeigen. Eines der schönsten Beispiele sind ja auch die Herkules Bilder aus der Antike, wo dieser Koloss nur mit einem Löwenfell bekleidet ist und sonst eigentlich nackt ist. Es genügt mitunter auch eine Metapher zu tragen, ein Symbol für die Stärke und dann ist es einem warm genug. Diese Bildersprache finden wir ja auch in der Werbung."
Personal Digital AssistentHandlungslayouts statt Produktdesign
Der Titel "Global Tools" hat Geschichte. Bereits 1973 benutzt ihn die Avantgarde des radikalen Designs. Visioniert wurde ein Laboratorien-Netzwerk, das nicht mehr die Dinge selbst, sondern Verhaltensweisen designen sollte.
Auch wenn die Künstlergruppe aus Florenz bald an ihrem Anspruch kollabierte, so haben sich doch viele Utopien realisiert. Ob in der Mobiltelefonie, in Themenparks, im Reality-TV oder im Cyberspace - es geht um "Totalgestaltung" und im Gegensatz zu Dekor um die Erfindung der Dinge selbst, die Mitgestaltung der Umgebung und ihre Einbettung in ein Handlungslayout. Überdimsensionale Bühnenbilder - so die These der Ausstellung - sind die Quintessenz moderner Gestaltung.
Außerdem im Ö1-Magazin matrix
Der zweite Beitrag beleuchtet den Einsatz von Neuen Medien in
Museen. Neben, zwischen, unter und über den stummen Objekten in
Ausstellungen findet der Besucher immer öfter Monitore, Tastaturen,
Touch-Screens und DVD-Stationen. "Interaktiv" soll sich der Besucher
Informationen zu den Schaustücken holen. Die Frage ist nur, will er
das auch? Die Besucherzahlen der Museen sind jedenfalls trotz des
Einsatzes neuester Technologien europaweit im Rückgang begriffen.
Stellt sich also die Frage, was läuft falsch mit den
kostenintensiven Applikationen? "Bitte Berühren!" - matrix begab
sich auf einen Rundgang durch Wiener Museen.
matrix - computer & neue medien
