Schwere Zeiten für Japans Elektronikriesen
Die Schockwellen der IT- und Halbleiterkrise rollen nun auch über Japan.
Vorzeigekonzerne wie Sony, NEC und Fujitsu erlitten im ersten Quartal schwere Ertragseinbrüche und drückten heute auf die ohnehin schon miese Stimmung auf dem Tokioter Aktienmarkt.
Der Nikkei-Index büßte 0,5 Prozent auf 11.798,08 Punkte ein. Ob Computer, Halbleiter oder Mobiltelefone - die weltweit empfindlich gesunkene Nachfrage nach Produkten der Informationstechnologie setzt auch dem High-Tech-Land Japan schwer zu.
"Sony-Schock" belastet Börsen
Tokios Börsianer standen am Freitag vor allem unter dem
"Sony-Schock": Der Konzern hatte am Vortag einen Einbruch des
operativen Gewinns im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres
2001/2002 um 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf drei Milliarden
Yen [27 Mio. Euro] bekannt gegeben und die Gewinnerwartung fürs
Gesamtjahr um 40 Prozent zurückgenommen.
SonyFujitsu vervierfacht Verlust
Die Aktie des Konzerns stürzte daraufhin heute um 11,45 Prozent. Auch Fujitsu belastete den Markt schwer: Bei dem Computer- und Chiphersteller hatte sich der Verlust im 1. Quartal gegenüber dem Vorjahr auf 55,4 Milliarden Yen mehr als vervierfacht.
Für das Gesamtjahr rechnet Fujitsu jetzt statt mit einem Gewinn von 50 Milliarden Yen mit einem Nettoverlust von 220 Milliarden Yen. Fujitsu will in einem Monat einen Umstrukturierungsplan vorlegen.
Die Nachricht traf die Börse eine Stunde vor Handelsschluss noch so stark, dass der ganze Markt nachgab. Fujitsu sackten um 3,6 Prozent ein.
FujitsuNEC: Schwache Nachfrage nach Speicherchips
Noch schlimmer erging es dem Konkurrenten NEC: Der Konzern musste bekannt geben, dass der Gruppengewinn im 1. Quartal wegen des schwachen Marktes für Speicherchips um 72 Prozent auf 800 Millionen Yen eingebrochen war. Der operative Gewinn sank um 70 Prozent auf 3,7 Milliarden Yen.
NEC bleibt optimistisch
Allerdings erwartet NEC, dass die Kerngeschäfte mit
Computerlösungen und Telekom-Ausrüstungen robust bleiben. Die Aktie
fiel um 4,8 Prozent.
NECMatsushita erstmals seit 1968 mit roten Zahlen
Bereits zwei Tage zuvor hatte Matsushita Communication mit der Ankündigung für einen Schock gesorgt, im ersten Geschäftshalbjahr voraussichtlich erstmals seit Börsennotierung im Jahre 1968 rote Zahlen zu schreiben.
Japans größter Hersteller von Mobiltelefonen und Tochter von Matsushita Electric rechnet wegen des schleppenden Handy-Absatzes mit einem Nettoverlust von 18,5 Milliarden Yen.
MatsushitaLage soll sich vorerst nicht bessern
Wie auch ihre Konkurrenten in anderen Ländern zwingt die weltweit gesunkene Nachfrage nach Mobiltelefonen, PCs und Netzwerkausrüstungen auch die japanischen Unternehmen zu Einschnitten:
So wollen die fünf größten Chiphersteller des Landes nach Berichten der führenden Wirtschaftszeitung "Nikkei" im laufenden Geschäftsjahr rund 550 Milliarden Yen in Anlagen und Ausrüstungen investieren, 40 Prozent weniger als noch im vergangenen Geschäftsjahr. Die Lage werde sich vorerst nicht bessern, hieß es.
