Microsoft will mit Windows XP pünktlich starten
Die Forderung eines US-Senators, den Marktstart des neuen Microsoft-Betriebssystems Windows XP zu verschieben, ist erwartungsgemäß auf Kritik des Computerriesen gestoßen.
Nach einer Pressekonferenz des New Yorker Senators Charles Schumer ist Microsoft verärgert. "Mit Bedauern bin ich zu dem Schluss gekommen, dass eine Auslieferung von Microsofts Windows XP in seiner jetzigen Form wahrscheinlich unfair, wettbewerbsfeindlich und auf lange Sicht außerordentlich nachteilig für viele Verbraucher sein würde", hatte Schumer verkündet.
Appell an die Justiz
Er hatte die Justizbehörden der einzelnen US-Bundesstaaten
aufgefordert, die Markteinführung von Windows XP notfalls
gerichtlich zu verzögern.
Auslieferungsstopp für Windows XP gefordert"Rhetorik von AOL Time Warner"
Microsoft hatte dem Senator ein Briefing samt Software-Demonstration angeboten, das von Schumer allerdings "aus Termingründen" abgelehnt wurde. "Damit hätten wir leicht der Rhetorik von AOL Time Warner entgegnen können, die hier als Basis für eine Kampagne gegen Windows XP dient", meinte MS-Rechtsbeauftragter Jack Krumholtz.
Schon länger schwelt ein Konflikt zwischen AOL und Microsoft. Microsoft will in den kommenden Jahren massiv auf seine "Hailstorm"-Strategie setzen, die unter anderem mit einem zentralen Authentifizierungsverfahren Kundenbindung betreiben sollen. Studien haben gezeigt, das User nur ungern ihre Anbieter im Online-Bereich wechseln.
AOL mit Gegenangriff
AOL hat nicht zuletzt deswegen kürzlich 100 Millionen USD in den E-Commerce-Giganten Amazon.com investiert [die FuZo berichtete]. AOL hatte bereits vor einigen Jahren Software entwickelt, die ähnlich der "Passport"-Funktion von Microsoft funktioniert.
Launch-Datum soll bleiben
"Passport" ist eine Authentifzierungssoftware, die mit einem einfachen Einloggen Zugang zu einer Reihe von [MS-eigenen] Services garantiert. Zuletzt war Passport durch Fehlfunktionen, nämlich beim MSN Messenger, aufgefallen.
Den Marktstart von Windows XP möchte Microsoft jedenfalls nicht verschieben. "Der zeitgerechte Launch von Windows XP ist wichtig, um die PC-Industrie in den USA wieder anzukurbeln", gibt sich MS-Rechtsbeauftragter Krumholtz bescheiden.
"Nicht nur uns würde das zurückwerfen, sondern die gesamte Computerindustrie", gibt ihm Kurt Sibold, Chef von Microsoft Deutschland, Feuerschutz.
Windows-Monopol wettbewerbswidrig ausgenutzt
Ende Juni hatte ein US-Berufungsgericht das Zerschlagungsurteil gegen Microsoft aufgehoben. Das Distriktgericht hielt aber den Vorwurf aufrecht, dass der Software-Riese sein Windows-Monopol wettbewerbswidrig ausgenutzt habe.
Ein Gericht niederer Instanz soll nun darüber entscheiden, wie Microsoft daran gehindert werden kann, seine Dominanz auf dem Markt der Betriebssysteme auszunutzen.
