Online-Kinderschutzzone per Gesetz
Zwei US-Kongressabgeordnete haben einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der die Schaffung und Kontrolle einer ".kids"-TLD [Top Level Domain] anordnen und regeln soll.
Der Vorstoß, der das in den USA prinzipiell große Schutzbedürfnis für Kinder im Netz reflektiert, hebt sich in doppelter Hinsicht von "normalen" Initiativen für neue TLDs ab:
Zum einen soll die zuständige Organisation ICANN [Internet Corporation for Assigned Names and Numbers] per US-Gestz zur Einrichtung der TLD verpflichtet werden.
Zum anderen würde auch die Zulassungskriterien für einzelen Sites durch das Gesetz zumindest umrissen und damit eine "garantiert harmlose Zone" nach US-Maßstäben im Internet geschaffen.
Unter Umgehung der ICANN hat das Unternehmen New.net bereits 20 zusätzliche TLDs eingeführt, darunter auch ".kids". Um diese Adressen zu erreichen, muss man allerdings eine Zusatzsoftware installieren. Neben New.net gibt es weitere Organisationen, die eine TLD-Registrierung bei ICANN umgehen, so etwa in Ländern, deren Schrift nicht auf dem lateinischen Alphabet beruht.
ICANN gegen ".kids"-Endungen30 Tage Frist
Der Gesetzesentwurf räumt der ICANN lediglich eine Frist von 30 Tagen ein, die ".kids"-TLD einzurichten [nach In-Kraft-Treten des Gesetzes].
Die ICANN hat sich in der Vergangenheit allerdings heftig gegen die Kinder-Adresse gewehrt und diese Postion auch jetzt angesichts des Vorstoßes der Abgeordneten aufrechterhalten.
ICANN-Sprecherin Mary Hewitt argumentiert dabei vor allem mit der schwierigen Umsetzung der inhaltlichen Kontrollen für die ".kids"-Sites: "Wir wissen einfach nicht, wie das bewerkstelligt werden soll."
Die Internet-Aufsichtsbehörde ICANN hat sich im letzten November auf die Einführung von insgesamt sieben neuen TLDs geeinigt.
Sieben neue Domain-Endungen gekürtMoralkeule
Der Vorstoß des Republikners John Shimkus und des Demokraten Ed Markey ist zwar bisher nur ein Entwurf, aber er sollte auf eine große Zustimmung bei beiden großen US-Parteien stoßen, da insbesondere in den USA [in abgeschwächter Form allerdings auch in Europa] das Internet als moralische Bedrohung für Kinder empfunden wird.
Nach Jahren der Diskussion ist dabei auch den heftigsten Befürwortern von inhaltlichen Filtern klar, dass diese derzeit nicht perfekt funktionieren können.
Mit einer gesetzlich geregelten Kinder-TLD würde das Filtern allerdings sehr einfach und effektiv möglich werden.
Filtersoftware für Kinder bleibt unzulänglich
