Hersteller wechseln Handy-Rohstoff
Einem Bericht des Online-Magazins EBN zufolge steigen die Elektronikhersteller zunehmend auf das Element Niob als Dielektrikum für Kondensatoren um. Der Grund: Die weltweiten Tantal-Vorräte sind nahezu erschöpft.
Sie sind in jedem elektronischen Gerät zu finden: die kleinen, hellbraunen oder grünen Tantal-Kondensatoren. Als Ladungsspeicher dienen sie beispielsweise zum Glätten von Spannungen, aber auch als Miniakku, wenn etwa die Batterien mobiler Geräte gewechselt werden.
Tantal geht zur Neige
Vor allem der Boom bei Mobiltelefonen hat in letzter Zeit die Nachfrage nach Tantal stark ansteigen lassen. Der Weltmarktpreis hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verzehnfacht. Damit sind Kondensatoren ebenso essenzielle elektronische Bauteile wie Widerstände und Transistoren - doch der Rohstoff für die billigen Tantal-Kondensatoren geht zur Neige.
Nur noch 60.000 Tonnen weltweit
Nach einer bei EBN zitierten geologischen Studie stehen weltweit nur noch 60.000 Tonnen zur Verfügung. Anders ist das beim Element Niob, das ganz ähnliche elektrische Eigenschaften wie Tantal aufweist, aber von dem noch 5,5 Millionen Tonnen vorhanden sein sollen.
Daher wollen laut EBN alle großen Elektronikhersteller vor allem für kleine Ladungseinheiten auf Niob umsteigen. Der Schritt weg vom Tantal könnte zudem unerwartete politische und ökologische Nebeneffekte haben.
Krieg um Handy-Rohstoff
Die afrikanische Republik Kongo weist die weltweit höchsten
Vorkommen des Tantal-Erzes Koltan auf, kommt aber seit einem
Überfall des benachbarten Ruanda 1998 und dem nachfolgenden
Bürgerkrieg nicht zur Ruhe. Die verschiedenen Kriegsparteien sollen
sich durch "wilden" Koltan-Abbau mit Devisen versorgen und die Natur
dabei rücksichtslos ausbeuten.
Handys, Menschen- und AffenlebenNiob weit billiger als Tantal
Die "Political Correctness" aber dürfte die Elektronikfirmen nicht zum Niob getrieben haben - das Element kostet auf dem Weltmarkt inzwischen nur noch ein Zehntel des raren Tantal.
