Elektroschrott: Abfall oder Rohstoff?
Von den rund 11 Millionen Handys, die derzeit in Österreich im Umlauf sind, verstauben rund vier Millionen ungenutzt in Schubladen und Ramschkisten, dazu kommen dann noch 300 bis 400 Tonnen hochgiftiger Akkus, deren Giftstoffe bei nicht sachgerechter Entsorgung über die Verbrennung in der Hausmüllanlage zurück ins Heim kommen.
Der Elektronikschrott wächst jährlich zwischen drei und fünf Prozent. Das ist die höchste Steigerungsrate im Vergleich zu allen anderen Müllsparten. Ein immer breiterer Anwendungsbereich elektronischer Produkte und immer raschere Innovationszyklen stehen einer noch weitgehend ungeregelten und technisch unterbesetzten Entsorgung gegenüber. Nach wie vor werden die Kosten, die bei der Entsorgung entstehen, weitgehend der Gesellschaft und nicht den Unternehmen angelastet.
Im Bereich der Handys gibt es schon eine freiwillige Vereinbarung der Handybetreiber in ihren Outlet-Centers auch das gesamte Altgerät kostenlos zurückzunehmen und einer entsprechenden Verwertungsschiene zuzuführen. Doch bislang wird davon kaum Gebrauch gemacht.
Gerhard Vogel, Vorstand des Instituts für Technologie und Warenwirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien:
"Anhand der Verpackungsverordnung in Österreich zeigt sich, dass es völlig richtig ist, die Entsorgungsfrage in den Entscheidungsprozess des Herstellers zu 'shiften'. Denn so wird die Entsorgungsfrage zu einem Kostenfaktor. Das heißt, in dem Augenblick wo der Hersteller die Verantwortung übernimmt, kommt es zu einem neuen Produktdesign. Denn ein dummes Produktdesign hat so hohe Folgekosten, dass automatisch neue Lösungen gesucht werden müssen, die mit Ressourcen kostensparender umgehen."
EU-Maßnahmen zur Abfallentsorgung
Die von der EU schon lange geplante Elektroaltgeräte-Richtlinie will nun die Hersteller verpflichten, die Finanzierung der Sammlung, der Behandlung, der Verwertung und der umweltgerechten Entsorgung ihrer Produkte zu übernehmen.
Entwürfe zur Richtlinie werden derzeit zwischen EU-Kommission, EU-Umweltministerrat und EU-Parlament diskutiert.
Die EU-Mitgliedsstaaten sollen dazu angehalten werden, flächendeckende, nationale Sammelsysteme einzurichten und ab 2006 etwa vier Kilo Elektronikschrott pro Einwohner und Jahr zu sammeln, so der Entwurf der EU-Kommission. Das Parlament verfolgt ambitioniertere Ziele und will Sammelmenge auf sechs Kilo pro Einwohner und Jahr anheben. Der zweite große Bereich der Richtlinie umfasst Stoffverbote.
EU-Richtlinie über Elektro- und ElektronikaltgeräteUpgraden statt Wegschmeißen
Nicht mehr das Produkt sondern die Dienstleistung sollte im Zentrum des Verkaufs stehen, so Bernd Kopacek, von der Österreichischen Gesellschaft für System und Automatisierungstechnik, die das Forschungsprojekt CARE "Comprehensive Approach for the Recycling and Ecoefficiency of Electronics" durchführt.
Nur ein grundlegendes Umdenken hätte auch Folgen für das Produktdesign und vor allem die Lebensdauer der Produkte. Als zukunftsträchtig gilt dabei die Entwicklung modularer Bauweisen, die ein "Upgraden" auf den jeweiligen Stand der Technik ermöglichen. Ebenso könnte damit die Reparatur von Geräten und die Wiederverwendung von gebrauchten Bauteilen wieder an Bedeutung gewinnen.
Bernd Kopacek im Interview
"Beispiel Fernseher: das Bedürfnis, das ich habe ist eigentlich
informiert oder unterhalten zu werden. Und da wird es Modelle geben,
die mir genau diesen Bedarf als Dienstleistung verkaufen werden. Als
Dienstleister habe ich dann umso mehr Einnahmen desto länger ich mit
der selben Hardware dieselbe Dienstleistung anbieten kann."
Österreichische Gesellschaft für System und AutomatisierungstechnikDie EU hat nun auf den wachsenden Berg an Elektronikschrott reagiert und einen Prozess in Gang gesetzt, an dessen Ende eine Elektronikschrott-Richtlinie beschlossen werden soll. Nach zehn Jahren erreicht dieser Prozess langsam die Beschlussfassungsphase. Im Herbst soll es dann tatsächlich so weit sein. Welche Folgen diese Richtlinie für Konsumenten und Produzenten hat und welche technische Verwertungsmethoden bereits existieren, das hat matrix recherchiert.
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