Neue Regeln für den Neuen Markt
Nachdem der Deutschen Börse AG als Eigentümer des Neuen Marktes in Frankfurt monatelang Tatenlosigkeit angesichts der Krise auf dem Handelsplatz vorgeworfen worden ist, wird jetzt offensichtlich schnell gehandelt und die Regeln nach dem Beipsiel der Nasdaq deutlich verschärft.
In den letzten Monaten hatte sich der Neue-Markt-Index Nemax zusehends von der Entwicklung der Nasdaq abgekoppelt und eine noch schlechtere Performace als der vergleichbare US-Index gezeigt.
Billigaktien [Penny-Stocks] und vom Konkurs oder Ausgleich bedrohte Unternehmen werden künftig vom Neuen Markt der Frankfurter Wertpapierbörse verbannt.
Aufstieg und freier Fall auf dem Neuen MarktBlue C und update.com in Gefahr
Die neuen Regeln sollen bereits zum 1. Oktober 2001 in Kraft treten. "Unternehmen mit geringem Börsenwert und insolvente Unternehmen sind keine Wachstumswerte", begründete Börsenvorstand Volker Potthoff die neuen Sanktionsmaßnahmen.
23 der 343 Titel des Neuen Marktes notieren derzeit unter einem Euro. Von den zwölf österreichischen Vertretern auf dem Neuen Markt kamen zuletzt - wegen extrem niedriger Kurswerte - Blue C und update.com dieser Gefahrenzone extrem nahe.
Der Aktienkurs des Wiener E-Business-Dienstleisters Blue C liegt mit 32 Cent deutlich unter der Ein-Euro-Marke, die Wiener Software-Schmiede update.com kommt mit ihrem Aktienkurs [aktuell 1,55 Euro] dieser Marke bereits bedrohlich nahe.
Penny-Stocks bringen den Markt in Verruf
Vor einem Jahr notierte noch kein einziger Titel auf dem Neuen
Markt unterhalb der Ein-Euro-Marke. Nach Ansicht von Experten
könnten bis zu 100 Unternehmen ein ähnliches Schicksal erleiden und
durch Insolvenzen oder Übernahmen ganz vom Markt verschwinden.
"Werte, die eine bestimmte Zeit zwischen null und drei Euro
notieren, müssen kompromisslos aussortiert werden. Wenn das nicht
passiert, ist der Neue Markt auf Jahre hin out", sagte Norbert
Empting, Händler beim Börsenmakler Schnigge, vor rund zwei Wochen.
Die Billigaktien würden nur noch Spekulanten anlocken und so den
ganzen Markt in Verruf bringen, so ein anderer Händler. Experten
fordern daher ein Delisting dieser Werte.
Ruf nach Rauswurf von BilligaktienPenny-Stock-Definition
Betroffen von der Eliminierung sind alle Firmen, deren Aktienkurs an 30 aufeinander folgenden Börsentagen einen Euro unterschreitet und deren Marktkapitalisierung zugleich unter 20 Millionen Euro sinkt.
Entscheidend für einen Ausschluss vom Neuen Markt ist dabei allerdings, dass die Unternehmen auch in den darauf folgenden 90 Handelstagen an mindestens 15 aufeinander folgenden Tagen die festgelegten Grenzwerte nicht überschreiten.
Die Streichung vom Kurszettel des Wachstumssegments erfolgt dann einen Monat nach der Bekanntgabe durch die Deutsche Börse. Zahlungsunfähige Firmen, über die ein Insolvenzverfahren eröffnet oder mangels Masse abgewiesen wird, werden ebenso ausgeschlossen.
Die Deutsche Börse wies darauf hin, dass die Gesellschaften im Geregelten Markt oder im Freiverkehr weiter gehandelt werden können. Von Jänner bis Juni 2000 seien bisher sieben Firmen vom Neuen Markt genommen worden. Derzeit zählt das krisengeschüttelte Segment 342 Unternehmen.
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