Wenigstens ein Sieg für lion.cc
Während momentan nicht klar ist, wie lange es das Unternehmen überhaupt noch geben wird, hat lion.cc wenigstens einen Erfolg im fast schon vergessenen "Online-Buchpreiskrieg" mit einer Reihe deutscher Verlage zu verbuchen:
Ein Jahr nach den Hausdurchsuchungen in der deutschen Buchbranche hat die EU-Kommission ein förmliches Kartellverfahren wegen mutmaßlicher Preisabsprachen eröffnet.
Mehrere Buch-Großhändler und Verlage - darunter auch die Bertelsmann-Tochter Random House - werden verdächtigt, sich beim Lieferboykott gegen die österreichische Libro-Kette abgesprochen zu haben. Durch das Verfahren wird auch der eigentlich beigelegte Streit um die Buchpreisbindung wieder neu belebt.
Die EU-Wettbewerbshüter waren wegen einer Beschwerde von Libro tätig geworden. Das Verfahren richtet sich vor allem gegen die Unternehmen und Institutionen, die im August 2000 durchsucht worden waren. Die betroffenen Verlage und Grossisten hatten Libro mit einem Lieferstopp belegt, nachdem dieser Anfang Juli 2000 in seinem Internet-Buchhandel lion.cc Bestseller für deutsche Kunden mit 20 Prozent Rabatt angepriesen hatte.
Libro beschwert sich in BrüsselLibro erfreut
Die Kommission schrieb, die Weigerung mehrerer Unternehmen, Internet-Buchhändler außerhalb Deutschlands zu beliefern, beruhe mutmaßlich auf unzulässigen Absprachen und verstoße damit gegen EU-Wettbewerbsregeln.
"Reimporte deutscher Bücher aus anderen EU-Mitgliedsstaaten können der Buchpreisbindung nur unterworfen werden, wenn Export und Reimport eine vorsätzliche Umgehung des Systems darstellen." Nach Ansicht Brüssels sind Internet-Verkäufe an Kunden in Deutschland im Allgemeinen aber keine Umgehung der Buchpreisbindung.
In einer ersten Stellungnahme zeigte sich Libro-AG-Vorstand Werner Steinbauer erfreut über die positive Beurteilung der Beschwerde durch die EU-Kommission.
