Countdown für lion.cc
Bis Ende dieser Woche soll sich das Schicksal von lion.cc, der Online-Tochter der seit Ende Juni in Ausgleich befindlichen Libro AG, entscheiden.
Wie nach dem Libro-Gläubigerbeirat gestern Abend verlautete, wird eine "Lösung ohne Insolvenzverfahren" angestrebt, "es geht in Richtung Verkauf".
E-Commerce ohne Content
Zurzeit werden einem Medienhaus Interessen nachgesagt, die
lion-Geschäfte "ohne Schnickschnack, abgespeckt auf den
Internet-Medienhandel" fortzuführen. Im Beirat gestern Abend war die
Rede davon, dass sich die WAZ-Gruppe, die bisher rund 30 Prozent an
lion.cc hält, stärker engagieren dürfte.
Lion.ccTA verweigert Kommentar
Der WAZ-Gruppe wäre es als bisher schon Beteiligtem leichter, bestehende Verträge mitzuübernehmen, heißt es. Aber auch Unternehmen der Telekom-Branche wurden als potenzielle "Nach-Nutzer" genannt.
Zu kolportierten Übernahmeverhandlungen der Telekom Austria [TA] für lion.cc hieß es aus der TA gestern Abend lapidar: "Kein Kommentar". Dem Vernehmen nach hat sich diese Variante bis gestern aber eher zerschlagen.
Auffanglösung für Lion.cc denkbar
Dass die Gläubigerbanken, die ja vor Wochen zugesagt haben, Libro im Ausgleich zu finanzieren, auch eine lion-Fortführung über eine "Auffanglösung" unterstützen würden, wurde von Bankenseite "als eine Option" bestätigt.
Konkurs nicht erwünscht
Auch die Libro-Geldgeberinstitute wollen einen Konkurs von lion.cc vermieden wissen, da ein Totalzusammenbruch der Tochter auch das Gelingen des Libro-Ausgleichs gefährden könnte. Für die E-Commerce-Plattform haben Banken auch Zahlungssysteme eingerichtet.
Wie heute weiter bestätigt wurde, sind bis gestern die meisten Überweisungen der Juni-Gehälter samt Urlaubsgeld auf den Konten der mehr als 2.800 Libro-Beschäftigten eingelangt.
Die Auszahlung war am Freitag angelaufen. Für die Auszahlung durch den Insolvenzfonds hatte es eine Zwischenfinanzierung durch die Bank Austria gegeben.
Mitarbeiter suchen neue Jobs
Ein Problem an einer anderen Front im Insolvenzverfahren entschärfe sich in diesen Tagen von selbst: Im Moment herrscht große Fluktuation, etliche Beschäftigte sähen sich nach neuen Jobs um. Wie viele Filialen von Libro bzw. Amadeus geschlossen werden sollen, wird gerade neu durchgerechnet. Als wahrscheinlich gilt, dass in den nächsten Wochen in der Libro-Zentrale einige Stellen gestrichen werden.
