Virtuelle Gegenwelten im WWW
Rund um Steven Spielbergs neuen Film "Artificial Intelligence" [A.I.] läuft seit Monaten eine interessante Marketingstrategie.
Die Ansätze dazu sind spätestens seit dem Film "Blair Witch Project" bekannt: Eine mysteriöse Story sickert durch und verbreitet sich allein durch die Neugier der Fans in Windeseile.
So auch bei A.I. - allerdings in verfeinerter Form. Neben herkömmlicher Werbung führen versteckte Hinweise den neugierigen Fan in ein Netz im Netz, ein virtuelles Zukunftsuniversum im World Wide Web.
Wer ist Jeanine Salla?
Im Jahr 2142 nämlich bilden sich, wie zu erfahren ist,
Untergrundorganisationen, die sich zum Ziel setzen, eine
Vorherrschaft der Roboter aufzuhalten. Mittendrin im Strudel der
Vorgänge findet sich eine gewisse Jeanine Salla, Therapeutin für
empfindungsfähige Maschinen.
Suche nach Jeanine Salla"Jeanine Salla: Sentient Machine Therapist"
Das ist auch eine der wenigen Verknüpfungen zum Film selbst. Im Trailer von A.I. findet sich die Zeile: "Jeanine Salla: Sentient Machine Therapist". Erst Nachforschungen von Fans im Web fördern eine Reihe untereinander verknüpfter Sites zu Tage - eine seltsame Welt von Fake-Sites, die Hinweise zu einem mysteriösen Mord bergen.
Dabei handelt es sich um eine der komplexesten Marketingkampagnen, die je für einen Film geschaffen wurden. Einige hundert Websites sind fein aufeinander abgestimmt und bilden ein eigenes Netz im Netz, die den Film mit keinem Wort erwähnen, sich jedoch allesamt um Ereignisse im Jahr 2142 drehen.
A.I. - Der FilmSites werden ständig aktualisiert
Aus dem virtuellen Parallelnetz ist mittlerweile ein Massen-Online-Game geworden: Die Seiten werden ständig aktualisiert und halten diejenigen, die die Ereignisse gespannt verfolgen, ständig auf Trab. Bisweilen werden sogar "real life"-Personen eingeschaltet, die angerufen werden können oder sich tatsächlich dort aufhalten, wo sie auf Grund komplizierter Hinweise vermutet werden.
Ausdehnung auf Telefon und "echtes Leben"
Die virtuelle Struktur spannt sich weiter: von einer "Bangalore
World University" hin zu einem "Sentient Property Crime Bureau". Die
E-Mail-Adressen funktionieren; eine Mail generiert zumindest eine
automatische Antwort. Etwaige Telefonnummern sind ebenfalls real,
dahinter verbergen sich zumeist Anrufbeantworter, die oft weitere
Hinweise geben.
Sentinent Property Crime Bureau
Anti Robot MilitiaHinweise müssen gut versteckt werden
Die Initialkosten für diese Marketingschiene werden auf rund 20 Millionen ATS geschätzt. Obwohl die Sites nirgends offiziell erwähnt wurden, ging die Strategie voll auf.
Am ersten Tag wurden 25 Millionen Hits gezählt, und die Macher standen vor dem Problem, ihr Puzzle ständig schwieriger machen zu müssen. Zehntausende haben sich mittlerweile in Mailinglisten und Newsgroups zusammengeschlossen, um Jagd auf jedes einzelne Puzzleteil zu machen.
