Blue C und Update.com droht Delisting
Aktien, die länger als 30 Tage unter einem Euro notieren, will die Deutsche Börse in Frankfurt nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" künftig vom Neuen Markt ausschließen.
Weitere Einzelheiten wolle die Börse am kommenden Freitag mitteilen, berichtete das Magazin am Samstag vorab.
Bereits am vergangenen Mittwoch hatte die Börse schärfere Regeln angekündigt, um Pleite-Kandidaten und Unternehmen mit Billig-Aktien aus dem Neuen Markt zu verbannen.
Bestätigung der Börse steht noch aus
Die so genannten "Penny Stocks" sollen laut "Focus" auch verbannt
werden, wenn ihr Kurswert an mehr als 60 von 90 Tagen unter einem
Euro liegt. Das seien schärfere Regeln als an der amerikanischen
Nasdaq. Bei der Börse war für eine Stellungnahme niemand zu
erreichen.
Neuer MarktAustro-Stocks gefährdet
Akut von einem Rauswurf bedroht ist Blue C. Die Aktie des Wiener Unternehmens notiert seit mehr als einem Monat unter der kritischen 1 Euro-Marke. Ihr aktueller Kurs beträgt 0,37.
Gefährdet ist auch das österreichische Unternehmen Update.com, das zwar konstant, aber doch sehr knapp über der 1 Euro-Mark liegt. Zurzeit notiert die Aktie bei 1,15 Euro.
Der Aktienkurs von Blue C im ÜberblickZwei Dutzend "Penny Stocks"
Mit einer Verschärfung der Regeln reagiert die Deutsche Börse auf die anhaltende Krise des einstigen Qualitätssegments für junge Wachstumsfirmen. Mehr als zwei Dutzend der derzeit 343 auf dem Neuen Markt gelisteten einstigen Hoffnungsträger gelten als "Penny Stocks" mit Aktienkursen unter einem Euro.
Vor einem Jahr notierte noch kein einziger Titel am Neuen Markt unterhalb der 1 Euro-Marke. Nach Ansicht von Experten könnten bis zu 100 Unternehmen ein ähnliches Schicksal erleiden und durch Insolvenzen oder Übernahmen ganz vom Markt verschwinden.
"Penny Stocks" bringen den Markt in Verruf
"Werte, die eine bestimmte Zeit zwischen null und drei Euro
notieren, müssen kompromisslos aussortiert werden. Wenn das nicht
passiert ist der Neue Markt auf Jahre hin out", sagte Norbert
Empting, Händler bei der Börsenmakler Schnigge AG, gegenüber dem
Nachrichtensender n-tv. Die Billigaktien würden nur noch Spekulanten
anlocken und so den ganzen Markt in Verruf bringen, so ein anderer
Händler. Experten fordern daher ein Delisting dieser Werte.
Neuer Markt kracht einNasdaq als Vorbild
Die Möglichkeit der Streichung vom Kurszettel [Delisting] gibt es an der US-Technologiebörse Nasdaq seit langem.
Ein Wert, der an der Nasdaq notiert ist, steht unter ständiger Beobachtung. Tag für Tag durchforstet der US-Börsencomputer die Kurse der knapp 5000 Titel und sucht nach Aktien, die unter einem Dollar notieren. Wird der Rechner fündig, bekommt das Management des betroffenen Unternehmens einen Blauen Brief mit der Aufforderung gegenzusteuern.
Gnadenfrist von 90 Tagen
Von nun beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. 90 Tage haben die Unternehmen üblicherweise Zeit, um ihren Verbleib auf dem Kurszettel zu sichern. Nur wenn die Firma es schafft, an zehn aufeinander folgenden Handelstagen über das vorgegebene Limit zu kommen, ist sie aus dem Schneider.
Countdown zum Delisting
Gelingt dies nicht, wird das Unternehmen über den unmittelbar bevorstehenden Rauswurf informiert. Das Management hat dann sieben Tage Zeit, um eine Anhörung zu seinem Fall zu beantragen und das so genannte Delisting zu verhindern.
Die Kommission kann in seltenen Ausnahmefällen eine befristete Weiternotierung erlauben. Diese wird aber nur unter strengen Auflagen erlaubt. Im vergangenen Jahr flogen insgesamt 240 Unternehmen aus dem prestigeträchtigen High-Tech-Markt.
