Drohender Rauswurf für Pennystocks
Nach Pleiten, Finanzskandalen und dem Kursdebakel droht angeschlagenen Firmen der Rauswurf aus dem Neuen Markt der Frankfurter Börse.
Mit einer Verschärfung der Regeln reagiert die Deutsche Börse auf die anhaltende Krise des einstigen Qualitätssegments für junge Wachstumsfirmen.
Pleite-Kandidaten und Unternehmen, deren Aktien kaum noch etwas wert sind, sollen künftig vom Kurszettel des Neuen Marktes verbannt werden können, bestätigte Börsensprecher Walter Allwicher.
Zwei Dutzend Pennystocks
Mehr als zwei Dutzend der derzeit 343 auf dem Neuen Markt
gelisteten einstigen Hoffnungsträger gelten als "Penny Stocks" mit
Aktienkursen unter einem Euro. Dazu kommt eine ganze Reihe von
Firmen wie die Telefongesellschaft TelDaFAx und die Internet-Agentur
Kabel New Media, die wegen Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit
Insolvenzantrag stellen mussten.
Neuer MarktBlue C und update.com in Gefahr
Im Falle des Rauswurfs von Pennystocks wären auch die österreichischen Unternehmen Blue C und update.com in Gefahr, die derzeit bei 0,36 respektive 1,06 Euro notieren.
Einige Unternehmen sollen wegen der seit langem desolaten Lage des Börsensegments mit Rückzug gedroht haben, falls Reformen weiter auf sich warten lassen. Der drastische Vertrauensverlust der Anleger, nicht eingehaltene Prognosen und die Probleme der Technologiebranche ließen den Index der 50 führenden Firmen [Nemax50] seit dem Höchststand im März 2000 mit gut 9.000 Punkten auf derzeit noch rund 1.200 Punkte abstürzen.
"Wir arbeiten an einer Erweiterung des Regelwerks. Änderungen wird es bald geben", sagte der Börsensprecher. Die drastischen Sanktionen sollen voraussichtlich noch während der Sommermonate verkündet werden.
Strengere Regelungen verlangt
Die Möglichkeit der Streichung vom Kurszettel [Delisting] gibt es an der US-Technologiebörse Nasdaq seit langem. Nach dem Desaster auf dem Neuen Markt waren seit Monaten strengere Regeln auch in Deutschland verlangt worden.
