09.07.2001

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Streit um Lebensdauer von CDs

Fest steht, dass CDs eine Halbwertszeit haben, unklar und umstritten ist allerdings nach wie vor, wie lang diese ist und ob die Hersteller für verlorene Daten verantwortlich sein könnten, weil sie auf den Verfall des Mediums nicht aufmerksam machen.

CDs werden im Laufe der Zeit durch eine chemische Reaktion der reflektierenden Aluminiumschicht unlesbar.

25 Jahre oder ein Leben lang

Professor Henning Hopf, geschäftsführender Leiter des Institutes für organische Chemie der Technischen Universität Braunschweig, schätzt die Haltbarkeit von CDs auf etwa 25 bis 30 Jahre: "Das ist ein ernstes Problem."

Hartmut Spiesecke, Sprecher des deutschen Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft, sieht das nicht ganz überraschend völlig anders: "CDs halten ein Leben lang. Kein anderes Speichermedium ist so haltbar und unempfindlich wie die CD."

Freilich sei "nichts für die Ewigkeit, aber ein solcher Hinweis an unsere Kunden scheint uns überflüssig, weil selbstverständlich".

CDs werden mit der Zeit unlesbar, weil es im Inneren der CD chemische Reaktionen gibt, wie Rainer Vesper von der Bayer AG in Leverkusen erklärt. Unter der bedruckten Oberseite einer CD kommt eine Schicht aus Klarlack, gefolgt von einer dünnen Schicht aus Aluminium. Unterhalb dieses feinen Metallfilms liegt der durchsichtige Kunststoff Polycarbonat. Darin sind in Form kleiner Vertiefungen die Informationen abgelegt. Ein Laserstrahl tastet die Vertiefungen ab und gibt den ursprünglich gesicherten Datenstrom wieder. Das Aluminium reflektiert dabei das eingestrahlte Laserlicht. Von beiden Seiten einer CD können Sauerstoff- und Wassermoleküle ans Metall gelangen. Damit reagiert das Aluminium über Jahre hinweg zur durchsichtigen Verbindung Aluminiumhydroxid. Zwar bleiben dabei die Erhöhungen und Vertiefungen in der Polycarbonat-Schicht erhalten. Der Laserstrahl wird aber nicht mehr vom Aluminium zurückgeworfen, der Datenträger mithin unlesbar.

Oder 50 Jahre

Zwar ist die Industrie der Meinung, beweisen zu können, dass CDs lange Zeit halten, weil sie bei entsprechenden Simulationen in Klimakammern intakt geblieben sind.

"Aber wer kann heute schon sagen, welche Probleme wir zu späteren Zeiten bekommen werden?" fragt beispielsweise Ingo Kolasa, Leiter des Deutschen Musikarchivs in Berlin, und verweist auf den nicht vorhersehbaren Tintenfraß in alten Partituren.

Im Lauf der Jahre hätten sich dagegen die alten Schellack-Platten als die haltbarsten Tonträger erwiesen, sagt er. "Die halten vermutlich ewig, wenn man sie nicht zerbricht."

"Meine Berufskollegen raten jedenfalls zur Vorsicht", erklärt Kolasa. Die internationalen Musikarchive gingen zurzeit davon aus, dass eine CD etwa 50 Jahre halte, sagt er.

Die Tonträgerindustrie indes gehe vermutlich vom Wegwerfen der Silberscheiben aus, wie es seinerzeit beim Wechsel zur CD mit den Vinylplatten vielfach geschehen sei, und wittere ein neues Geschäft.

Hinweise auf Hüllen gefordert

"Rechtlich ist die Lage nicht ganz klar", sagt Edda Costello, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg. Die gesetzliche Gewährleistung betrage in Deutschland und vielen anderen eurpäischen Ländern sechs Monate.

Nach Ablauf dieser Frist müssten die Hersteller eine schadhafte CD nicht ersetzen. Auch gebe es keine Rechtspflicht, auf den möglichen Ausfall der Musikträger hinzuweisen, ergänzt sie.

Ihrer Ansicht nach sollten Kunden jedoch auf das Problem aufmerksam gemacht werden. Diese verbänden mit der CD einen dauerhaften und verlustfreien Datenspeicher.