Ruf nach Rauswurf von Billig-Aktien
Seit einem Jahr kennen viele Kurse am Frankfurter Neuen Markt nur noch eine Richtung: bergab. Der Wert zahlreicher einst hochgelobter Technologieaktien ist seit der Hochphase im März vergangenen Jahres ins Bodenlose gestürzt.
23 der 343 Titel am Neuen Markt notieren derzeit unter einem Euro. Angesichts des zutiefst erschütterten Vertrauens der Anleger gerät die Deutsche Börse AG zunehmend unter Druck, diese so genannten "Pennystocks" aus dem Handel zu nehmen.
Pennystocks bringen den Markt in Verruf
Vor einem Jahr notierte noch kein einziger Titel am Neuen Markt
unterhalb der 1 Euro-Marke. Nach Ansicht von Experten könnten bis zu
100 Unternehmen ein ähnliches Schicksal erleiden und durch
Insolvenzen oder Übernahmen ganz vom Markt verschwinden. "Werte, die
eine bestimmte Zeit zwischen null und drei Euro notieren, müssen
kompromisslos aussortiert werden. Wenn das nicht passiert ist der
Neue Markt auf Jahre hin out", sagte Norbert Empting, Händler bei
der Börsenmakler Schnigge AG, gegenüber dem Nachrichtensender n-tv.
Die Billigaktien würden nur noch Spekulanten anlocken und so den
ganzen Markt in Verruf bringen, so ein anderer Händler. Experten
fordern daher ein Delisting dieser Werte.
Neuer Markt kracht einNasdaq als Vorbild
Was in Frankfurt derzeit hinter verschlossenen Türen diskutiert wird, ist an der US-Vorbildbörse Nasdaq seit Jahren Standard.
Ein Wert, der an der Nasdaq notiert ist, steht unter ständiger Beobachtung. Tag für Tag durchforstet der US-Börsencomputer die Kurse der knapp 5000 Titel und sucht nach Aktien, die unter einem Dollar notieren. Wird der Rechner fündig, bekommt das Management des betroffenen Unternehmens einen Blauen Brief mit der Aufforderung gegenzusteuern.
Gnadenfrist von 90 Tagen
Von nun beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. 90 Tage haben die Unternehmen üblicherweise Zeit, um ihren Verbleib auf dem Kurszettel zu sichern. Nur wenn die Firma es schafft, an zehn aufeinander folgenden Handelstagen über das vorgegebene Limit zu kommen, ist sie aus dem Schneider.
Countdown zum Delisting
Gelingt dies nicht, wird das Unternehmen über den unmittelbar bevorstehenden Rauswurf informiert. Das Management hat dann sieben Tage Zeit, um eine Anhörung zu seinem Fall zu beantragen und das so genannte Delisting zu verhindern.
Die Kommission kann in seltenen Ausnahmefällen eine befristete Weiternotierung erlauben. Diese wird aber nur unter strengen Auflagen erlaubt.
Im vergangenen Jahr flogen insgesamt 240 Unternehmen aus dem prestigeträchtigen High-Tech-Markt.
Zahl der Delistings steigt an der Nasdaq
In diesem Jahr dürfte diese Zahl der Delistings deutlich
überschritten werden: Allein bis Mai mussten bereits 205 Firmen die
nach New York umgezogene Nasdaq verlassen. Nicht alle Delistings
erfolgten allerdings auf Grund des Unterschreitens der
Ein-Dollar-Marke. Auch Verstöße gegen die Vorgabe, Bilanzen
rechtzeitig vorzulegen, sowie schlicht und einfach Firmenpleiten
führen zur Herausnahme aus dem Handel.
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