"Bill-Gates-Viagra-Hacker" freigesprochen
"Sie haben einen gewissen Sinn für Humor bewiesen", meinte heute ein Richter im britischen Swansea Crown Court zum 19-jährigen Raphael Gray.
Der Informatikstudent hatte sich im Netz [unter anderen] die Kreditkarten-Daten von Bill Gates beschafft und ihm eine Packung des Potenzmittels Viagra zuschicken lassen. Die Kosten wurden von Gates' Konto abgebucht.
Zumindest strafrechtlich nahm die Sache für den Studenten jetzt ein glimpfliches Ende. Er entging einer Haftstrafe, da er im Prozess eine psychische Erkrankung glaubhaft machen konnte.
Der Richter schickte ihn daher nicht ins Gefängnis, sondern ordnete eine dreijährige Therapie in Verbindung mit gemeinnütziger Arbeit an, berichtete die BBC am Freitag.
Immer mehr Kreditkarten-Nummern im NetzKeine Reue
Gray hatte Anfang 1999 23.000 [nach anderen Informationen 26.000] Kreditkarten-Datensätze an sich gebracht. Mehrere tausend Sätze veröffentlichte er dann auf mehreren Sites. Er trat dabei [zusammen mit einem Freund] unter dem Namen "Curador" auf und bezeichnete sich als "Engel des E-Commerce".
Auf einer der Sites bedankte sich "Curador" nach seiner Verhaftung bei den Firmen, die es ihm so leicht gemacht hätten, bei ihnen einzudringen. Die Absicht hinter der Aktion sei gewesen, die Verwundbarkeit von E-Commerce-Systemen aufzuzeigen.
Den Online-Händlern wirft Gray Fahrlässigkeit vor. Selbst Tage nachdem die gestohlenen Informationen im Web publiziert worden waren, hätten sie die Sites noch nicht abgedichtet gehabt.
"Ich würde das alles noch einmal machen. Aber das nächste Mal würde ich darauf achten, dass ich es legal mache", erklärte er jetzt nach der Verhandlung.
Zivilrechtlich dürfte die Sache für den 19-Jährigen nicht ausgestanden sein: Die Kosten für das Schließen der betroffenen Konten, die Ausgabe neuer Kreditkarten und die Pleite einer betroffenen Firma sollen nach Schätzungen des FBI umgerechnet knapp 3,63 Millionen Euro ausmachen.
Jugendliche Kreditkarten-Hacker verhaftet
