05.07.2001

4TH OF JULY

Bildquelle: walking on the beaches / looking at the peaches

Zwangsferien im Silicon Valley

Für die meisten Amerikaner ist der 4. Juli ein freier Tag, den sie mit Gartenpartys und Familienfesten begehen - einer der seltenen Feiertage im Geschäftsleben der USA.

Doch im krisengeschüttelten Silicon Valley in Kalifornien hat der Unabhängigkeitstag am Mittwoch bei vielen Arbeitnehmern ein zwiespältiges Gefühl hinterlassen: Schließlich nutzen ihn zahlreiche High-Tech-Firmen, um ihre Angestellten gleich für die ganze Woche in die Ferien zu schicken.

Mit dem erzwungenen Urlaubsabbau versuchen die Unternehmen, die Rezession in der High-Tech-Wirtschaft aufzufangen und Überkapazitäten zu vermeiden. Viele Mitarbeiter sehen den Zwangsurlaub jedoch als Menetekel für weiter schwierige Zeiten in der Branche, in der seit Monaten Entlassungen auf der Tagesordnung sind.

Zwangsurlaub für 58.000 Angestellte

Insgesamt gingen rund 25.000 Angestellte von Firmen wie Sun Microsystems, Xilinx und Network Appliance im Silicon Valley diese Woche in Zwangsurlaub.

Außerhalb des High-Tech-Tals bleiben noch

einmal 33.000 Informatiker und Facharbeiter von Unternehmen wie dem Computerhersteller Compaq zu Hause. Konkurrent Hewlett-Packard beschränkte sich bisher darauf, seiner Belegschaft Urlaubstage nahe zu legen.

Erhoffte Kosteneinsparungen

Obwohl in den von oben verordneten Ferien die Gehälter meist weiter gezahlt werden, hoffen die Unternehmen auf Kosteneinsparungen. Denn sind die Büroräume leer, fallen weniger Nebenkosten bei Klimaanlagen, Heizung, Wasser und Strom an.

Ebenso sparen die Unternehmen bei Sicherheitsdiensten und freiwilligen Sozialleistungen wie subventionierten Kantinen und Cafes.

Ein Sprecher des Unternehmerverbandes Silicon Valley spielt die Massen-Betriebsferien herunter. "Diese Ferien-Schließungen gibt es jedes Mal, wenn sich die Konjunktur verlangsamt", sagt Michael Wero. "Es ist nicht das erste Mal, dass wir das hier im Valley haben."

Zwangsurlaube haben Tradition

Seinen Angaben zufolge schickten die Technologie-Unternehmen ihre Angestellen auch 1996 vor und nach dem Unabhängigkeitstag und rund um Weihnachten nach Hause, als die Hardware- und Chip-Hersteller in der Krise waren. Ebenso würden auch US-Autohersteller im Sommer ihre Werke schließen, um neue Modelle zu entwerfen und Kosten zu sparen.

Urlaubsansprüche werden weniger

Neben den Kosteneinsparungen haben die angeordneten Ferien den Vorteil, dass die Urlaubsansprüche der Angestellten zusammenschmelzen.

Die angesammelten Urlaubstage schlagen sich nämlich sonst als Verbindlichkeiten in den Büchern nieder. "Das kann dazu beitragen, die Schulden einer Firma zu verringern", sagt Wero.

Dennoch beschäftigt sich nun die kalifornische Arbeitsbehörde mit der Unternehmenspraxis, nachdem einige Angestellte Beschwerden eingereicht haben. Erste Anhörungen sind im August geplant.